Online: 05.06.2015 - ePaper: 06.06.2015

Keine Chance zur Fortführung der Reformbemühungen

Betrifft: Artikel "Ein Verein, der lebt" (EJZ vom 27. Mai)

Lebhafte Diskussionen in einer Mitgliederversammlung allein sind noch lange kein Lebenszeichen. Die müssen schon deutlicher sein. Vereinsführung ist eine verantwortungsvolle Aufgabe, die eine große Anzahl an Kompetenzen und Fähigkeiten erfordert. Die Art der Führung muss zeitgemäß bleiben. Eine generelle Offenheit für Neues ist dabei von größter Bedeutung. Mit Aussagen wie "Das haben wir doch immer so gemacht" oder "Jeder hat so seine persönliche Wahrnehmung" werden neue Ideen gebremst und entstehende Konflikte bereits im Keim erstickt.

Drei Vorstandsmitglieder hatten damit begonnen, den Hospizverein moderner, zukunftsorientierter und professioneller auszurichten. Ein Büro wurde angemietet und damit neutraler Boden geschaffen. Jetzt konnten auch die Kontaktgespräche mit betroffenen Personen in einem "geschützten Raum" stattfinden. Eine qualifizierte Koordinatorin wurde eingestellt und eine neue, zeitgemäße Satzung erarbeitet. In dem zurzeit anlaufenden Förderprojekt "Gesundheitsregion Lüchow-Dannenberg" sah man eine große Chance zum Ausbau der bisher erfolgten Reformschritte. Dessen Vorstellung vor Beginn der Versammlung war für mich als Vortragenden enttäuschend. Mit etwas gutem Willen hätte dieses wichtige Thema in der Tagesordnung auch seinen Platz finden können. Schade eigentlich, denn das wäre eine gute Gelegenheit gewesen, allen Interessierten zu zeigen, dass der Verein wirklich lebt.

Andere Themen wurden dagegen zeitraubend in angespannter Atmosphäre diskutiert. Der neue Satzungsentwurf stand dabei im Mittelpunkt. Ich hatte den Eindruck, dass sich vor der Versammlung kaum jemand damit beschäftigt hatte. Vor allem nicht die sogenannten Wortführer. Einige Gemüter erhitzten sich heftig. Auch alte, persönliche Rechnungen sollten offenbar neu aufgemacht werden. Das traurige Ergebnis davon war, dass zwei Personen laut schimpfend den Raum verließen mit dem Ausruf: "Hier geht es ja zu wie in der ehemaligen DDR." Kommentar überflüssig!

Die Vorstandswahlen verliefen dann, mal abgesehen von einigen wohl nicht so ernst gemeinten Kandidaturen, problemlos. Leider haben die progressiven Kräfte des Hospizvereins keine Chance zur Fortführung ihrer Reformbemühungen erhalten. Angesichts der äußerst anspruchsvollen Aufgaben halte ich es fast schon für fahrlässig, die große Verantwortung des neuen Vorstands auf so wenige Schultern zu legen. Vor allem dann, wenn "passende Mitspieler" mit großer Erfahrung vorhanden sind. Gleichwohl war es eine demokratische Entscheidung, die von allen respektiert werden muss. Die Arbeit des neuen Vorstands wird daran gemessen werden, ob er in der Lage sein wird, immer wieder vorhandene Abläufe und Strukturen kritisch zu überprüfen und daraus zukunftsfähige Konzepte für den Verein zu entwickeln.

Günter Voß, Dannenberg

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