Online: 05.06.2015 - ePaper: 06.06.2015

Werteverlust durch Windparks

Betrifft: Artikel "Provokante Aussagen in Amherst, USA" (EJZ vom 30. Mai)

Vielen Dank für den interessanten Bericht aus den USA. Ich hatte mich ja wirklich gefragt, was Herr Schwedland da wohl erzählen würde. Nun wissen wir es. Am besten fand ich den Satz "Ein Windrad am Horizont beeinträchtige ganz sicher nicht eine alte Kulturlandschaft", denn er führt zu folgender Erkenntnis: Laut Wikipedia ist Kulturlandschaft "die dauerhaft vom Menschen geprägte Landschaft" (Gegensatz Naturlandschaft), also bei uns der ganze Landkreis, und die Windräder stehen da mitten drin (null Meter Abstand). Da Herr Schwedland die Windräder aber am Horizont der Kulturlandschaft sieht, kann man direkt ableiten, dass der Horizont des Herrn Schwedland eben besagte null Meter beträgt.

Das erklärt auch, warum er einige Dinge nicht sieht. Würde sein Horizont zum Beispiel 900 Meter betragen (Abstand Wohngebiet zum Windpark), würde er im Zusammenhang mit Denkmälern eventuell auf diese Überlegung kommen: Eine Immobilie in unmittelbarer Nähe eines Windparks verliert den größten Teil ihres Wertes. Ein Denkmalbesitzer bekommt dann unter Umständen noch nicht mal eine Hypothek, um das Denkmal instandzusetzen. Sollte er dann den Worten des Herrn Schwedland, "dass sich Erneuerbare Energien und der Erhalt von Kulturlandschaften durchaus miteinander vertragen", vertraut haben und mittels einer Fotovoltaikanlage auf dem Dach wenigstens etwas Einkommen erzielen wollen, wird er in unserem Landkreis aber schnell erfahren, dass Fotovoltaik auf dem Dach von Denkmälern nichts zu suchen hat.

Da reist der Herr in die USA, um die ICOMOS (Internationaler Rat für Denkmalpflege) zum Umdenken zu bewegen, aber der Denkmalschützerin des Landkreises kann er nicht erklären, dass Fotovoltaik auch zu den Erneuerbaren Energien zählt, die sich (angeblich) mit dem Denkmalschutz vertragen. Aber den Herrn Schwedland betrifft das alles ja nicht. Er sitzt in seinem Welterbedorf, das von Windanlagen nicht bedroht ist, und überlegt sich, wie er die Fördergelder ausgeben kann. Und da sein Horizont bei null Meter liegt statt bei 900 Meter, ist ihm auch egal, wie man eventuell den Wertverlust der von den Windparks betroffenen Bürger im Landkreis ausgleichen könnte. Erinnert er sich noch an seine Worte von den Leuchttürmen und dass natürlich der ganze Landkreis vom Welterbe profitieren würde?

Bernhard Schönhammer,

Prezier

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