Online: 05.06.2015 - ePaper: 06.06.2015

Sinnlose Schmiererei?

Betrifft: Graffiti-Attacke auf Denkmal (EJZ vom 27. Mai)

Die Überschrift zum Artikel um die Graffiti-Attacke auf das Güstrizer Kriegerdenkmal bedarf eines Kommentars. Inhaltlich steht die Graffiti-Aussage "Nie wieder Krieg" durchaus im Sinnzusammenhang mit einem Gedenk- und Verehrungsort für getötete Soldaten. Krieg vernichtet Menschenleben. Die Aufforderung, dies in Zukunft zu verhindern, ist ein Rückschluss, zu dem ein solcher Gedenkort anleiten kann.

Gedenkstätten für getötete (sprachliche Verharmlosung: gefallene) Soldaten entstanden in einer Zeit, in der Ehre, Nationalstolz, Gehorsam, Tapferkeit als Tugenden in hohem Ansehen standen. Die in den Weltkriegen zu Tode gekommenen Soldaten wurden an diesen Gedenkstätten verehrt, indirekt damit auch dem Krieg und seinen Verursachern eine legitime Rolle zugeschrieben, das war halt nötig.

Heute stehen wir an diesen Mahnmalen in einer Zeit, in der Zivilcourage, Solidarität, Achtung der Menschenwürde und -rechte und ziviler Ungehorsam anerkennenswerte Tugenden sind. Über die unterschiedlichen Einstellungen zu Krieg und Wehrdienst und vor allem die Autoritäten, die sich dieser Mittel bedienen, gibt es gesellschaftlichen Diskussionsbedarf. Das Graffito auf dem Güstritzer Kriegerdenkmal signalisiert dies. In diesem Sinne kann es zwar als respektlos, nicht aber als sinnlos bezeichnet werden. Diese Art Protest kann in keiner Weise gut geheißen werden, aber als Denkanstoß hat es sicher seine Wirkung entfaltet. Heißt schließlich "Denk mal" (über Sinn oder Unsinn von Krieg nach), und das hat noch nie geschadet.

Dr. Barbara Khanavkar,

Arno Freihold, Vietze

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