Online: 09.06.2015 - ePaper: 10.06.2015

Ansinnen absolut ehrenwert und verständlich

Bedtrifft: Leserbrief "Ein Nachbarschaftsstreit" von Rüdiger Laack (EJZ vom 23. Mai) und Kommentar "Das geht zu weit" von Benjamin Piel (EJZ vom 23. Mai)

Als eine, die Einblick in die "Causa Wibbese" hat, möchte ich zu beiden Stellungnahmen eine Anmerkung machen. Das Ansinnen von Barbara Karsten und Knut Jahn, gegen rechte Aktivitäten hier im Landkreis, ihrer Heimat, Stellung zu beziehen, ist in meinen Augen absolut ehrenwert. Dass sie ihre Betroffenheit aus der persönlichen Erfahrung mit Nachbarn und Mitbewohnern in Wibbese zum Anlass genommen haben, sich gegen Rechts in Lüchow-Dannenberg zu engagieren, ist nur zu verständlich.

Ob es einem gefällt oder nicht: Auch bei uns versuchen rechte Gruppierungen genau wie schon direkt gegenüber der Elbe, Orte zu "ihren" zu machen, mit massenhafter Ansiedlung in Dörfern, in denen inzwischen nur noch einige wenige leben, die sich dagegen wehren, ihr bis dahin gutes und von rechten Aktivitäten unbehelligtes Lebensumfeld zu verlassen. Das fängt mit ein paar Familien an, wie in Wibbese, und wenn dann keiner protestiert oder zumindest nicht wahrhaben will, was da vorgeht, dann wird sich eine rechte Ansiedlung fortsetzen. Es bleibt wirklich nur, solchen Leuten das Leben im Ort so schwer zu machen, dass diese dann selbst das Weite suchen.

Es mag sein, dass während der KLP über das Ziel hinausgeschossen wurde. Die Menschenwürde, die hier für den betreffenden Nachbarn eingefordert wird, sollte aber auch für die Betroffenen der anderen Seite gelten: massenhafte Klageflut bis hin zur finanziellen Notlage der Beklagten, Bedrohungen an Leib und Leben. Ein bloßes "Schubsen" ist da extrem verniedlicht, das Herabwürdigen des Engagements der beiden als kleinlichen Nachbarschaftsstreit fällt in dieselbe Kategorie. Im Übrigen wurde die Aktion gegen Faschismus, die Herr Laack angeblich unterzeichnet hat (wo?), durchgeführt von einer Blockadegruppe des Frankfurt-Rödelheimer Bahnhofs, veröffentlicht am 11. Dezember 2007 in einem überparteilichen Informationsdienst. Der Hinweis auf eine acht Jahre zurückliegende einmalige Aktion, an der er nicht mal teilgenommen hat, reicht mir nicht aus, um ein rechtes Gedankengut zu verschleiern. Warum wohl werden wegen des Nachbarn "Ämter" bemüht? Und warum hätte man nichts anderes zu tun, als sich auf die Straße zu stellen und zu warten, dass der Nachbar einen "schubst"? Wieso sollte der Nachbar das denn tun? Bloß weil man da vielleicht steht? Man mag sich empören über das Anprangern eines Nachbarn, sicherlich wäre es geschickter gewesen, diesen nicht direkt zu benennen, ich würde dieses Verhalten aber eher als verzweifelte Notwehr bezeichnen. Je öffentlicher solche Dinge werden, desto eher besteht die Möglichkeit einer Veränderung. Herr Laack kann ja in seinem Haus einquartieren, wen er will, aber wenn aus diesem Haus weiterhin rechtes Gedankengut zelebriert und verbreitet wird, wird dieser "Nachbarschaftsstreit" wahrlich nicht enden. Und eigentlich, denke ich, geht das uns alle an.

Hanínga Thiel,

Damnatz

^ Seitenanfang