Online: 09.06.2015 - ePaper: 10.06.2015

Keine "Gewaltorgie"

Betrifft: Artikel "Entsetzen über Gewaltorgie" (EJZ vom 26. Mai)

Als ich heute in die Zeitung sah, sprang mir dieser Artikel gleich ins Auge. Das Bild kam mir sehr bekannt vor, aber ich konnte es beim besten Willen nicht mit einer solchen Überschrift in Zusammenhang bringen. Ich bin 15 Jahre alt und im wendländischen Widerstand groß geworden. Ich bin sehr vorsichtig, was Aktionen angeht, und gehe sofort auf Abstand, wenn etwas zu sehr in Gewalt ausartet. Doch bei der "Kulturellen Widerstandspartie" in Gorleben am 22. Mai fühlte ich mich sehr wohl. Auch ich bin auf das Gelände des "Schwarzbaus" vorgedrungen, und es gab keinen Moment, in dem ich mich unbehaglich fühlte. Ich habe gemeinsam mit den Zwergen von Widersetzen Blumen auf das Gelände gepflanzt, und später hielt ich mich mit einigen Freunden und Freundinnen auch noch hinter dem zweiten Zaun auf. Ich habe nichts von der im Artikel von Pistorius zitierten "sehr gut und ganz bewusst organisierten Gewaltorgie" gespürt. Die Transparente und Parolen sind lediglich ein Ausdruck des politischen Protestes und des Widerstands gegen die Atomlobby, von dem diese Aktion erfüllt war. Das Wendland ist unsere Heimat, und natürlich kämpfen wir dafür, dass sie nicht durch radioaktiven Müll zerstört wird. Denn auch falls der Sachschaden tatsächlich auf mehrere 10000 Euro belaufen sollte, so sollte doch mal der Schaden bedacht werden, den ein Atommüllendlager in Gorleben für all die Bewohner des Wendlands bedeuten würde. Ich weiß nicht, wie ein im Artikel dargestelltes Bild der Kulturellen Widerstandspartie entstehen konnte, aber in meinen Augen, die ich Gewalt verachte, war es eine lebensbunte und lebensbejahende Aktion, die den starken Widerstand und den absoluten Protest gegen Atomenergie ausgedrückt hat.

Sinja Kuhl, Blütlingen

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