Online: 15.06.2015 - ePaper: 16.06.2015

Diskriminierend

Betrifft: Leserbrief "Kirchen sollten ein entschiedenes Nein ausdrücken" von Herbert Flügel (EJZ vom 6. Juni)

Hat er wieder zugeschlagen, der Mann, der von Langeweile so gebeutelt ist, dass er wieder einmal seine geistigen Ergüsse zum Besten geben muss. Wieder hat es ihm eine Minderheit angetan. Wieder mal sind es die Homosexuellen, die Herr Flügel aufs Korn nimmt. Ich hatte noch ein wenig Hoffnung für den Leserbrief, als Herr Flügel nach dem zweiten Satz den Versuch startete, sich auf die sachliche Ebene zu begeben. Doch es ist nur bei dem Versuch geblieben.

Ich glaubte meinen Augen nicht zu trauen, als ich las: "Homosexuelle sind auch Menschen". Bedurfte es wirklich dieser Feststellung? Vielleicht sollte man das zukünftig auch bei Frauen, Hundezüchtern, Christen, Briefmarkensammlern und so weiter erklärend dazu schreiben. Aber dessen nicht genug: Herr Flügel stellt darüber hinaus fest, dass sie auch noch "eben als solche behandelt werden müssen". Was für ein ungewöhnlicher Anspruch. Diese diskriminierende Wortwahl reichte dem Schreiber nicht, nein, er packte sie etwas später, zusammen mit Pädophilen und Inzucht treibenden Menschen in ein und denselben Sack. Dies wird an dem Wörtchen "allesamt", welches er verwendete, deutlich. Auch will er allen verdeutlichen, dass es keine "naturgegebenen Veranlagungen", sondern "allenfalls Überzeugungen" sind. Nur weil er das so behauptet, wird es dadurch nicht automatisch richtig.

Die Wissenschaft ist sich darüber einig, dass Homosexualität wesentlich vielschichtiger ist und sich nicht einfach in die eine oder andere Schublade pressen lässt. Wann bekommt Herr Flügel endlich eine sinnvolle Aufgabe, die ihn vollständig ausfüllt? Um mal bei seiner Überschrift zu bleiben: Kirchen sollten ein entschiedenes Nein zu solchen Leserbriefen ausdrücken.

↔Gerald Erdmann, Lüchow

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