Online: 15.06.2015 - ePaper: 16.06.2015

FRG als Standortfaktor

Betrifft: Zukunft des Fritz-Reuter-Gymnasiums

Das Fritz-Reuter-Gymnasium in Dannenberg hat sich also mit einem ersten Schritt auf den Weg gemacht, um sich zu verändern und besser zu werden. So vielleicht das kurzgefasste Fazit der Zukunftskonferenz, deren Ergebnisse nun vorgestellt wurden. Und dieser Schritt ist gut und wichtig.

Doch wie es nun mal in der großen und kleinen Schulpolitik der Fall ist, dürfen Schulen sich selten in Ruhe entwickeln; meist fliegen - egal aus welcher politischen Ecke - Stöcke zwischen die Beine. So auch jetzt wieder in der derzeitigen Diskussion um den Erhalt des Gymnasiums in Dannenberg oder die Einrichtung einer IGS. Wie auch immer man zu der einen oder anderen Schulform steht - und es gibt gute als auch schlechte Gesamtschulen und Gymnasien - einige Dinge sollten nicht vergessen werden. Wird eine IGS in Dannenberg eingerichtet und läuft damit das Gymnasium aus, so schafft man mit dieser Entscheidung automatisch zunächst die gymnasiale Oberstufe ab als auch die Möglichkeit, in Dannenberg das Abitur zu machen. Gleichzeitig entfällt auch in Clenze diese Möglichkeit, da die dortige Oberstufe an das FRG gekoppelt ist.

Folge: KeinAbitur in Dannenberg

Ob an einer neu eingerichteten IGS überhaupt das Abitur abgelegt werden kann, kann niemand garantieren. Erst zu einem späteren Zeitpunkt wird über die Neueinrichtung einer Oberstufe entschieden. Voraussetzung ist in der Regel die Fünf- bis Sechszügigkeit. Diese zu erreichen wird in Dannenberg schwer. Die Folge: Es gäbe in Dannenberg kein Abitur mehr.

Weniger bekannt ist wohl auch, dass das FRG ein Ausbildungsbetrieb für drei bis sechs Referendare pro Jahr ist. Und das Studienseminar in Lüneburg attestiert der Schule eine gute, zugewandte Ausbildung in freundlicher Atmosphäre. Immer wieder gibt es Referendare, die gerne weiterhin hier im Landkreis bleiben würden. Leider ist das aufgrund der Schulpolitik selten möglich. Laut Philologenverband werden dieses Jahr landesweit zum August nur 70 Stellen an Gymnasien ausgeschrieben, im Vergleich zu durchschnittlich 600 zwischen 2008 und 2012. Und das, obwohl allerorten Stunden ausfallen. Vielleicht ändert sich dies allerdings mit dem am Dienstag verkündeten Urteil gegen die rechtswidrige Arbeitszeiterhöhung. Wem Schule, Bildung und damit die Zukunft einer Region oder eines Landes aber wichtig sind, der muss auch bereit sein zu investieren - in Gebäude, Ausstattung, Stellen, Zeit. Ansonsten bringt der schönste Name für eine Schulform nichts. Die Entscheidungsträger der Politik sollten sich also sehr klar über Veränderungsprozesse an den Schulen informieren, bevor sie eine derart weitreichende Entscheidung für Dannenberg fällen. Wie sagte eine Teilnehmerin bei der Veranstaltung im FRG so treffend: "Man weiß nicht, was man gewinnt, aber sehr deutlich, was man verliert."

↔Urs Mende-Averdunk,

↔Hitzacker

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