Online: 19.06.2015 - ePaper: 20.06.2015

Einige Seminare reichen nicht aus

Betrifft: Artikel "Kein Leckerli für Hundetrainer" (EJZ vom 12. Juni)

Herr Pitzing hat scheinbar den Beruf des professionellen Hundetrainers nicht wirklich verstanden. Ein Hundetrainer trägt ein hohes Maß an Verantwortung gegenüber den Hunden, Haltern und der Allgemeinheit. Um das Verhalten eines Hundes sachkundig beurteilen zu können, bedarf es zwingend eines fundierten Fachwissens, auch aus dem Bereich der Veterinärmedizin. Verhaltensprobleme können Ihre Ursache nämlich auch in gesundheitlichen Problemen haben, sei es hormonell oder schmerzhafte Entzündungen. Ein Hundetrainer hat die Verpflichtung, solche "Verdachtsfälle" zu erkennen und den Halter in so einem Fall mit genauen Anweisungen zum Tierarzt zu schicken. Ist er dazu nicht in der Lage, hat er meiner Ansicht nach den Beruf verfehlt.

Hundehalter können heutzutage von einem qualifizierten Trainer eine ganzheitliche Beratung über Ernährung, Gesundheit, Verhalten, Erziehung halt einfach Hilfe in allen (Hunde-)Lebenslagen erwarten. Die Überprüfung seiner Qualifikation vor dem Veterinäramt stellt dazu im Grunde genommen eine unzureichende Maßnahme dar. Die bestandene umfangreiche Prüfung vor der Tierärztekammer zeigt zumindest, dass der Hundetrainer sich eingehend mit dem Lebewesen Hund und der sozialen Beziehung zum Menschen beschäftigt hat. Diese Trainer müssen, um ihre Zulassung zu behalten, jedes Jahr eine Fortbildung bei zugelassenen Dozenten nachweisen, so hält man sein Fachwissen auf den neuesten Stand und kann sein Trainingsprogramm stätig verbessern.

Wenn Herr Pitzing meint, es reicht aus, einige Seminare zu besuchen und ein paar Jahre Hundetrainer gewesen zu sein, um als qualifiziert zu gelten, ist er doch sehr naiv. Um zu verdeutlichen, was ich damit meine, kann ich sagen, dass mir "Trainer" bekannt sind, die viele Jahre "Erfahrung", seitenweise Auflistungen besuchter Seminare und eine große Anzahl an Jüngern, die Ihnen bedingungslos folgen, aufweisen können. Leider hat deren Dressur wenig mit Training, aber viel mit Gewalt, Treten in die Flanke, grobes Ziehen im Fell und so weiter zu tun. Nach heutigem Wissensstand ist so ein Training von Unwissenheit geprägt, und es ist nur gut, wenn solche Trainer aus dem Verkehr gezogen werden.

Gewalt fängt halt dort an, wo Wissen und Können aufhören. Ob Herr Pitzing zu den Wissenden zählt oder nicht, kann er ja in einem Test, am besten vor der Tierärztekammer, nachweisen. Hundehalter, die jemandem folgen, der einfach nur viel Lärm macht und Betroffenheit verbreitet, sollten überlegen, ob sie zukünftig jemanden aufsuchen, der einige Seminare besucht hat und behauptet, auch ohne Nachweis durch eine bestandene Prüfung qualifiziert genug zu sein.

↔Thomas Hoffmann,

↔Dannenberg

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