Online: 19.06.2015 - ePaper: 20.06.2015

Ab zur Zuckerrohrernte

Betrifft: Zuckerpreise für Landwirte

Eigentlich sollten alle Parteien der Nordzucker Holding AG in den kommenden schwierigen Zeiten zusammenarbeiten, um das Unternehmen erfolgreich weiterbestehen zu lassen. Aber so wie es aussieht, schiebt der Vorstand alle Risiken auf die Rüben anbauenden Landwirte. Die Aktionäre erhalten ein Lieferrecht, aber keine Lieferpflicht. Wo bleibt der Rübenanbauerverband? Und der Landvolkverband? Die Landwirte sollen Verträge mit den Aktionären abschließen - mit verbindlicher Lieferpflicht ohne Preisgarantie. Man kann davon ausgehen, dass der Rübenpreis sich nach dem aktuellen Zuckerweltmarktpreis um die Hälfte reduziert. Siehe Alkohol nach dem Wegfall des Monopols oder die Senkung der Erzeugerpreise für Milch. Jeder Rüben anbauende Landwirt sollte sich davor hüten, Verträge abzuschließen, in denen kein Garantiepreis für die Rüben vorgeschrieben ist. Ohne Wenn und Aber. Jeder Landwirt sollte Rüben anbauen, die ihm nach Aktienrecht zustehen und nicht mehr, es sei denn, es gibt für die Rüben einen Garantiepreis. Wenn das Kartellamt die Zucker-unternehmen wegen angeblicher Preisabsprachen zu Strafen verurteilt, sind die Rechtsabteilungen der Unternehmen unfähig, sind doch die höheren Zuckerpreise an die Landwirte weitergegeben worden, um kostendeckende Rübenpreise zu bezahlen. Man sollte die verantwortlichen Kartellrechtler für vier Wochen zur Zuckerrohr-ernte schicken und dort auch zu gleichen sklavenartigen Bedingungen arbeiten und leben lassen. Außerdem braucht kein deutscher Süßwarenhersteller deutschen Zucker zu kaufen. Er kann ja billigen Zucker aus den AKP-Staaten kaufen. Ob die Qualität dann stimmt, ist eine andere Frage. Wenn Strafen verhängt werden, dann sollen die Millionen zweckgebunden in Schulen und Ausbildung in den AKP-Staaten ausgegeben werden, um den Kindern eine Zukunft zu ermöglichen, und nicht um Löcher in der ausufernden Bürokratie in der EU zu stopfen. Strenggenommen ist jeder Tarifvertrag dann eine Preisabsprache im Sinne des Kartellamts, insbesondere wenn es um das Beamtenrecht geht: Kind eines Beamten zählt mit höherer Rente für die Eltern dazu, außerdem braucht der Beamte keine Rentenversicherung zu zahlen. Im deutschen Bundestag sitzen über 70 Prozent Beamte und Vertreter des öffentlichen Dienstes.

Robert Nowak, Pudripp

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