Online: 02.07.2015 - ePaper: 03.07.2015

Inszenierung zerbröselt

Betrifft: Kommentar "Das geht zu weit" von Benjamin Piel (EJZ vom 23. Mai)

Das demokratische Mittel der Aufklärung über Rechtsextreme Umtriebe wurde im "Infopunkt Wibbese im Rahmen der KLP 2015" konsequent angewandt, wie die rund 800 Besucher immer wieder feststellen konnten. Das Thema wurde behandelt bezogen auf ganz Deutschland, insbesondere dann auf den Schwerpunkt in Mecklenburg-Vorpommern, sowie auf Regionales in Niedersachsen, auch Lüneburger Heide und Wendland.

Dass die Aktivitäten eines rechtsextremen Pseudo-Ökobauern jenseits des direkt angrenzenden Zaunes wahrgenommen wurden, war schlicht nicht zu vermeiden (Hierzu sollte man nachlesen in "Braune Ökologen", eine Untersuchung der Heinrich-Böll-Stiftung, als PDF herunterzuladen). Wenn er und seine Gesinnungsgenossen diese Aufklärung auffassen als Provokation einer "Kulturellen Hetzpartie", wie es dann in einem verteilten Flugzettel bezeichnet wurde, nur zu! Appeasement war noch nie eine erfolgreiche Methode zur Eindämmung des Rechtsextremismus. Und: "Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem dies kroch…" ("Arturo Ui", Bert Brecht)

Mit seiner "Tanzbär"-Kritik kann Benjamin Piel eigentlich nur eine bestimmte Szene meinen, die etwa 150 Besucher eines Konzerts aber ganz anders erlebt haben: Klaus der Geiger sang mit seiner Gruppe über Lebenslust und Frühling, als der Öko-Rechtsextreme sich bemüßigt fühlte, mit seinen lärmenden Motorgeräten unmittelbar hinter der kleinen Bühne einen gelungenen Auftritt als Störer des Konzerts hinzulegen. Sein Motortrimmer (und diese Geräte machen sehr hässliche Geräusche) war lauter als die Musik (unplugged), aber die Konzertbesucher und Klaus Der Geiger reagierten einfach wunderbar: Sie griffen die Trimmergeräusche auf und machten einen Chorus daraus: "Vroumm, Vroumm!" und integrierten sie einfach ins Konzert. Das war schön! Die Selbstinszenierung, auf die von denen, die dabei waren, kaum einer hereinfiel, war grandios zerbröselt.

↔Knut J. Jahn,

↔Wibbese

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