Online: 02.07.2015 - ePaper: 03.07.2015

Trugbild der ökologischen Modellregion

Betrifft: Artikel "Demografie kennt keine Gnade" (EJZ vom 17. Juni)

Die EJZ weist in diesem Artikel auf die gesunkenen Schülerzahlen bei der diesjährigen Einschulung in der Samtgemeinde Lüchow und die existenzbedrohenden Folgen für die Grundschulen Plate, Küsten, Trebel und Woltersdorf hin. Diese Entwicklung ist das Ergebnis eines kreisweiten Bevölkerungsrückganges, der seit Jahrzehnten anhält, sich in den kommenden Jahren fortsetzen und die Zahl der Kreiseinwohner voraussichtlich von derzeit circa 48000 auf knapp 40000 im Jahr 2035 sinken lassen wird. Eine Folge wird die Aufgabe weiterer Schulstandorte und der Anstieg der Schülertransportkosten sein. Die Zahl der niedergelassenen Ärzte wird zurückgehen, was mit dem steigenden Anteil älterer Menschen an der Gesamtbevölkerung zu erheblichen Problemen bei der medizinischen Versorgung führen muss. Hinzu kommt, dass der schon jetzt eingetretene Mangel an Nachwuchs die Besetzung vorhandener Arbeitsplätze weiterhin erschweren und die Existenz von Unternehmen im Landkreis gefährden wird. Die dadurch bedingten Einnahmeverluste der Gemeinden und Samtgemeinden bei der Gewerbe- und Einkommenssteuer werden zu wachsenden Defiziten in den Haushalten dieser kommunalen Körperschaften und des Landkreises führen und deren politische Handlungsfähigkeit weiter einschränken.

Die geringe Auslastung von Infrastruktureinrichtungen wie Hallen, Freibädern und anderen Sport- und Freizeiteinrichtungen macht ständig steigende Zuschüsse aus den kommunalen Haushalten erforderlich und wird diese zusätzlich belasten.

Diese Entwicklung ist nicht nur, aber auch das Ergebnis des Widerstandes von Teilen der Bevölkerung gegen jede Strukturveränderung mit dem Ziel, das unzureichende Arbeitsplatzangebot als Ursache für Abwanderung arbeitsfähiger Menschen zu beseitigen. Damit ist nicht nur der Widerstand gegen die Salzstockuntersuchung bei Gorleben, deren vorläufige Unterbrechung den Verlust von bis zu 200 Arbeitsplätzen zur Folge hatte, gemeint, sondern auch der in der Vergangenheit erhobene Protest gegen eine die Verkehrserschließung verbessernde und damit die Ansiedlung von Betrieben begünstigende Autobahn durch den Landkreis.

Statt dieser wurde damals der klimafreundliche Gütertransport auf der Schiene gefordert. Kaum werden hierzu konkrete Vorstellungen entwickelt, begegnet man zum Beispiel in Pisselberg den alten Widerstandsritualen mit Protestparolen wie "Pisselberg demnächst nur für Schwerhörige" an den Häuserwänden. Die Menschen folgen nun mal den Ausbildungs- und Arbeitsplätzen. Wer diese Tatsache ignoriert und in jeder den Arbeitsmarkt positiv beeinflussenden Infrastruktureinrichtung nicht die Vor-, sondern nur die Nachteile sieht, dem bleibt das niemand beeinträchtigende Trugbild der ökologischen Modellregion und mit diesem der Weg in das Land der Illusionen.

↔Klaus Poggendorf,

↔Dannenberg

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