Online: 07.07.2015 - ePaper: 08.07.2015

Agrarwende ist dringend geboten

Betrifft: Artikel "Reden statt rechtfertigen" (EJZ vom 27. Juni)

Anlässlich des Bauerntages schreibt Rouven Groß in der Rubrik "Ihre EJZ heute" vom 27. Juni auf die Spitze getrieben von "kruden Allgemein-Anschuldigungen". Landwirte fühlten sich zu Unrecht beschuldigt. Im danebenstehenden Bericht über den Bauerntag beklagt Heinrich Meyer, Vorsitzender der Lüchow-Dannenberger Landberatung, dass das Image der Landwirte nicht gut sei und "Landwirtschaft oft kritisch gesehen" wird. In derselben Ausgabe der EJZ wird von Glyphosatrückständen in der Muttermilch berichtet, in Mengen, die den zulässigen Wert für Trinkwasser um das Doppelte bis Vierfache (!) überschreiten. Die vieljährige Oldenburger Toxikologie-Professorin Witte bezeichnet die Werte als "untragbar" und hätte "nicht mit solch hohen Rückstandswerten (...) gerechnet".

In der EJZ vom 24. Juni wird über die Pestizid-Belastung des Grundwassers in Teilen Niedersachsens berichtet - immerhin an 45 Prozent der landesweiten Messstellen waren Pestizidrückstände nachweisbar, gemessen nicht etwa von Greenpeace, sondern vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN). Auch bei der Tagung des Wasserverbandstages im Kraftwerk in Lüchow war diese Situation Thema (EJZ vom 26.Juni): "Pestizide haben im Grundwasser nichts verloren", so Godehard Hennies, der Geschäftsführer des Wasserverbandstages. Vor Kurzem gab es zudem einen Artikel über das Bienensterben im Landkreis und den Verdacht, dass auch hier Pestizide zumindest mit im Spiel sind.

Ja, liebe konventionellen Landwirte, wo kommen denn diese Pestizide her? Da hilft auch alles Schönreden mit (von der EU geförderten) Blühstreifen nichts - eine Art der Landwirtschaft, die zur Vergiftung unserer Ressourcen (Boden, Wasser, Luft) und zur Reduzierung der Biodiversität (Artenvielfalt) beiträgt, kann nicht nachhaltig sein.

Wir gehen davon aus, dass viele Landwirte den einschlägigen Firmen auf den Leim gehen, weil die negativen Folgen des Pestizid-Einsatzes von den Herstellern meistens verharmlost werden. Die Firma Bayer warb vor langer Zeit für Agrar-Kontaktgifte wie zum Beispiel "Mit E605 zu gesunden, vollen Ernten". Leider haben viele dieser Werbung geglaubt und Kontaktgifte wie E605 und DDT eingesetzt. DDT wurde bereits in den 70er-Jahren in den meisten Industrieländern verboten. Trotzdem haben auch heute noch viele Menschen Spuren dieses Stoffes, der im Verdacht steht, Krebs zu verursachen, im Körper. Abgabe, Einfuhr, Anwendung und Zulassung von Parathion ( E605 ) wurde am 9. Juli 2001 von der Europäischen Kommission endlich verboten.

Laut Heinrich Meyer lernen die Landwirte "mit dem, was ihnen zur Verfügung steht, nachhaltig umzugehen". Dies beinhaltet aber, dass die Frage "wie lange können wir diese Art der Agrarwirtschaft noch betreiben" mit "viele Generationen lang" beantwortet werden kann. Da erlauben wir uns doch erhebliche Zweifel. Eine Agrarwende ist dringend geboten.

Silvia Meurer,

Detlef Kober, Riebrau

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