Online: 24.07.2015 - ePaper: 25.07.2015

Hohle Pauschalverurteilungen

Betrifft: Leserbriefe zum Bauerntag

Beim Lesen des Artikels über den Bauerntag war mir gleich klar, dass die einschlägig bekannten Leserbriefschreiber zum Thema Landwirtschaft nicht lange auf sich warten lassen und dazu etwas schreiben werden. Wie immer sind es wieder die bekannten hohlen Pauschalverurteilungen: Alle Bauern schädigen den Boden, vergiften das Grundwasser, quälen Tiere, produzieren multiresistente Keime und sind schuld am Bienensterben, am Hochwasser, an Krebserkrankungen in der Gesellschaft und so weiter. Damit bestätigen sie eindrucksvoll die von Heinrich Meyer beklagten Zustände.

Frau Meurer und Herr Kober aus Riebrau schaffen es tatsächlich einmal in ihrem Leserbrief, über die üblichen Pauschalverurteilungen hinaus konkrete Beispiele zu nennen. Bei genauer Betrachtung bleibt auch dort nur heiße Luft übrig. Da wird von einem Artikel über Glyphosatrückstände in der Muttermilch berichtet und dass diese den zulässigen Grenzwert für Trinkwasser um das Doppelte bis Vierfache überschreiten. Hierbei handelt es sich um eine "Studie" im Auftrag der Grünen.

Das Debattenmagazin "The European" hat da mal etwas genauer hingeschaut: Es wurde die Milch von 16 Müttern untersucht. Dabei wurden verschwindend geringe Glyphosat-Mengen zwischen 0,210 und 0,432 ng/ml gemessen. Dann wurde in der Pressemitteilung der Grünen auf den für Deutschland gültigen Grenzwert im Trinkwasser von 0,1 ng/ml hingewiesen. Dieser ist in Deutschland bewusst so gering gewählt, da es hierzulande kein Problem ist, das Trinkwasser so sauber zu halten. In den USA beträgt der Grenzwert für Trinkwasser 700 ng/ml. Mit den oben angegebenen Werten könnte Monsanto dort eine Werbekampagne starten. Man hätte ja auch auf den zulässigen deutschen Grenzwert für die tägliche Nahrungsaufnahme hinweisen können. Dieser, im internationalen Vergleich ebenfalls sehr niedrige Wert, beträgt 0,3 mg je Kilogramm Körpergewicht. Danach müsste ein Säugling der am stärksten belasteten Mutter pro Tag 2778 Liter Muttermilch trinken, um den Grenzwert zu überschreiten.

Hier wird schnell klar, dass es sich nicht um eine seriöse wissenschaftliche Arbeit handelt, sondern um eine gezielte Kampagne gegen das Herbizid Glyphosat und dessen Hersteller Monsanto - bei der Öko-Fraktion die Personifizierung des Bösen. Besonders bedenklich ist, wie unkritisch die Deutsche Presseagentur (dpa) so etwas weitergibt und selbst große Medien von Frankfurter Allgemeine Zeitung über Welt und Focus so eine Verblendung aufgreifen, verbreiten und damit junge Familien verunsichern.

↔Karl Kühn, Künsche

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