Online: 24.07.2015 - ePaper: 25.07.2015

Soll es so weitergehen?

Betrifft: Bauerntag in Trabuhn (EJZ vom 27. Juni)

Immer wieder, gerade aktuell, berichten die Medien über die Belastung und Vergiftung unserer Lebensgrundlagen, unter anderem durch den Einsatz von Chemie in unserer Landwirtschaft. Die Fakten: Glyphosat im Totalherbizid Roundup, von der Weltgesundheitsorganisation als krebserregend eingestuft, überall eingesetzt, Nachweis davon in der Muttermilch oder im Urin, Pestizide im Grundwasser, auch bei uns, etwa 60 Prozent des Trinkwassers in Niedersachsen nitratbelastet über den zulässigen Grenzwert, nicht abgedeckte Haufen von Hühnertrockenkot, Bienensterben aufgrund der Schwächung ihres Immunsystems, etwa 40 Prozent der Völker sind deutschlandweit in diesem Jahr nicht über den Winter gekommen, auch bei uns Totalverluste, vergiftete Bienen vor dem Bienenstock, gekrümmt, sich im Kreis drehend, ohne Orientierung, Spritzen mittags bei bestem Bienenflug gegen den Rapskäfer, habe ich auch in diesem Jahr erlebt, live. Chemie tötet den Rapskäfer, und ein "bienenfreundliches" Präparat soll keine fatalen Folgen für die Bienen haben?

Rückgang der Artenvielfalt durch intensives Düngen, unter anderem mit Gülle satt - und guckt Euch jetzt mal die Maisäcker an - kein Hälmchen, toter Boden, alles tot gespritzt. Während der Spritztage im Mai ein süßlich-lindgrüner Geruch in der Landschaft, den ich einatmen muss, ob ich will oder nicht. Umbruch von Grün- und Brachland, tausende Hektar abgepflügter Wegeseitenränder. Raub ökologischer Flächen. Auswirkungen von hohem Antibiotikaeinsatz in der Massentierhaltung, notwendig aufgrund nicht artgerechter Tierhaltung, Entstehen multiresistenter Keime, Todesfälle in Kliniken. Das sind die Fakten! Reicht das nicht? Wie weit soll es noch gehen?

Und dann das: Selbst bei allen angeführten Naturschutzmaßnahmen durch Landwirte, es ist unglaublich, wenn diese Fakten selbstgerecht relativiert werden, beiseite gewischt werden mit der Aussage, wir Landwirte schützen doch die Natur, müssen an unserem Image arbeiten - liebe Landwirte, das tut weh, guckt Euch die Fakten an!

Und die Aussage: "Wir müssen mit den Leuten ins Gespräch kommen" - ich bin gerne bereit dazu, jederzeit. Ich rede mit Landwirten, wo immer es möglich ist, verurteile sie nicht, sehe die Zwänge und Einfluss der an Profit interessierten Agrarindustrie und darin eng eingebundener Organisationen, stelle sie nicht in eine Buh-Mann-Ecke, sage ihnen aber sehr klar, dass das, was wir gerade erleben und wenn wir so weitermachen, es erst der Anfang ist einer weiter zunehmenden schleichenden Belastung und Vergiftung unserer Lebensgrundlagen - und wir sind mitten drin.

Die Zukunft der Landwirtschaft, und das ist unter anderem das Fazit des Weltagrarberichtes 2008 - kann nur in einer ökologischen Landwirtschaft liegen, die unsere Lebensgrundlagen achtet sowie artgerechte Tierhaltung betreibt.

Hermann Klepper, Banzau

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