Online: 31.07.2015 - ePaper: 01.08.2015

Musterbeispiel an Desinformation

Betrifft: Interview "Keiner schützt die Griechen vor Tsipras" (EJZ vom 18. Juli)

Welch arrogante Überschrift! Statt Tsipras hätte es besser Schäuble heißen müssen. Schließlich wurde Tsipras von den Griechen frei gewählt. Das Interview ist ein Musterbeispiel an Desinformation. Als ob Geld aus Russland zur Debatte gestanden hätte. Als ob andere Regierungen immer die Folgen ihrer eigenen Entscheidungen vorhersehen.

Woraus bezieht Dr. Tokarski die Sicherheit, die Griechen könnten allem zustimmen? Macht er doch selbst die Einschränkung, die Institutionen machten Druck. Sie haben also gar keine Wahl. Wie kann der Interviewte behaupten, Syriza habe sich ideal an das alte System angepasst, ohne ein einziges Faktum anzuführen? Am Schluss zeigt sich, dass beiden, Interviewer und Interviewtem, unklar ist, worin der Hauptfehler der Euro-Politik besteht: Es ist der fehlende Wille, die Zahlungsbilanzen auszugleichen. Früher erfolgte das durch Änderung der Wechselkurse. Seit Umstellung auf den Euro entfällt diese Möglichkeit. Deshalb hatte man abgesprochen, die Inflationsrate bei zwei Prozent zu halten. Das ist zum Beispiel mit Hilfe der Lohnentwicklung möglich.

Ausgerechnet das wirtschaftlich stärkste Land hat sich nicht daran gehalten und so horrende Überschüsse eingefahren. Das hat wesentlich zu den großen Ungleichgewichten und damit auch zur griechischen Misere beigetragen.

↔Christian Ruhsert, Hitzacker

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