Online: 31.07.2015 - ePaper: 01.08.2015

Schiebt Landkreis ab oder nicht?

Betrifft: Artikel "Kurze, klare Antwort" (EJZ vom 25. Juli)

Der EJZ-Artikel beschreibt die Lebensverhältnisse für Flüchtlinge aus den Balkanländern und Roma als "schwierig", Länder "in denen es Diskriminierung gibt" und stellt dann die Frage: "Sollen sie möglichst schnell ausreisen, um die, die von islamistischem Terror oder anderer bewaffneter Gewalt betroffen sind, aufnehmen zu können?"

Von wem wird diese polarisierende Entweder/Oder-Frage derzeit politisch diskutiert?

Der Arbeitskreis Asyl- und Bleiberecht hat diese Frage weder sich noch anderen gestellt und hat folglich mit der Demonstration keine "kurze, klare Antwort" darauf gegeben.

Die Aussagen der Demonstration umfassten die Themen Menschenrechte und Solidarität in Europa und die Aushebelung des Individualrechts auf Asyl für Menschen aus den sogenannten "sicheren" Balkanstaaten.

Der Anlass war unter anderem die Aufforderung der Kreisverwaltung zur sogenannten "freiwilligen Ausreise". Ausreise ins Elend? Schiebt der Landkreis nun ab, oder schiebt er nicht ab? Bis wann? Diese Anliegen hat der eilige Reporter der EJZ offensichtlich nicht mitbekommen.

Auch die gute Stimmung, die Freude über das Treffen von Freunden und Bekannten, das Gefühl von Gruppenstärke und öffentlicher Aufmerksamkeit besonders bei den Flüchtlingen, die mobile Musikbox in dem Kinderwagen, die vielen selbst gemalten Transparente, das Anwachsen um weitere rund 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf dem Marktplatz, die Fahnen "Refugees welcome", die Reden auf Deutsch und Serbisch, auch die Rede einer Bundestagsabgeordneten, die spontanen Tänze und Kreistänze trotz der bedrohlichen Aufforderung zur "freiwilligen" Ausreise hat der distanzierte Reporter leider nicht mitbekommen. Schade.

Doris Weimann, Schmardau

Mitglied im Arbeitskreis Asyl- ↔und Bleiberecht

^ Seitenanfang