Online: 11.08.2015 - ePaper: 12.08.2015

Blauäugige Politiker

Betrifft: Griechenland-Pro-blem, Leserbriefe von Detlef Kober, Riebrau, und von Herbert Flügel, Lüchow, (EJZ vom 25. Juli).

Das Desaster begann mit einer Wette. Theo Waigel wandte sich 1997 gegen einen Eintritt Griechenlands in die Eurozone. Er verlor die Wette. Griechenland hat die EU betrogen und sich mit falschen Zahlen in die EU geschmuggelt.

"Time is money" ist ein beliebtes Schlagwort aus dem angelsächsischen Wirtschaftsleben. In der Euro-Wirtschaftsgemeinschaft wird das Prinzip inzwischen umgekehrt. Bei den Rettungsmaßnahmen für Griechenland wird mit extrem viel Geld lediglich Zeit erkauft. Wo stehen wir heute Jahre nach dem Beginn der Rettungsmaßnahmen für Griechenland und nach der Verabschiedung eines neuen Rettungspaketes?

Neben vielen Einzelmeinungen waren es im Kern unterschiedliche Vorschläge, die im Mittelpunkt der Diskussionen standen. Es begann mit der Ausdehnung der sogenannten Rettungsschirme, was de facto der Vergabe neuer Kredite entspricht. Dabei ist es natürlich eine Illusion zu glauben, es handele sich nicht um echtes Geld, sondern um eine Art Bürgschaft.

Hoch im Kurs stand auch der Begriff Umschuldung, allerdings mit unterschiedlichen Ansatzpunkten. Dabei wurde fleißig darauf hingewiesen, dass dabei der private Sektor mitziehen müsse, ohne nähere Definition! Sehr beliebt war auch das Thema Umschuldung "light", was nichts anderes bedeutet als eine Verlängerung der Laufzeiten in der Hoffnung, dass die so erkaufte Zeit helfen wird, die Probleme in den Griff zu bekommen.

Verwegene steuerten die Idee bei, dass man den Markt gewähren lassen müsse, was ja nichts anderes bedeutet, als dass diejenigen Personen oder Institutionen, die für höhere Zinsen größte Risiken eingegangen sind, jetzt die Zeche bezahlen müssen. Banken, Pensionsfonds, Versicherungen und auch die private Anleger stehen dabei in der ersten Reihe. Hinzu kam noch ein klassischer Schuldenerlass.

Angesichts dieser Diskussionslage kann einem schon blümerant werden. Denn die Frage, was wirklich helfen wird, bleibt auch nach den jüngsten Entscheidungen bis zur Stunde offen. Hinzu kommt, dass Summen für die Geberländer sich von Monat zu Monat vergrößern, ohne die Risiken einer möglichen sich wieder abschwächenden Wirtschaftskonjunktur in Europa und damit sinkender Steuereinnahmen zu berücksichtigen.

Unsere Politiker sind offensichtlich zu blauäugig, um das wahre Ausmaß ihrer Argumente und Entscheidungen zu erkennen, denn im Grunde wird am Ende der Bürger die Zeche bezahlen müssen. Die Politiker haben bei Amtsantritt geschworen, "zum Wohle des Volkes tätig zu sein".

↔Klaus Grothe, Schnega

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