Online: 11.08.2015 - ePaper: 12.08.2015

Probleme mit der Pluralität

Betrifft: "Alle Linden bleiben stehen", Kommentar von Axel Schmidt (EJZ vom 23. Juli)

Als Student hörte ich 1964 eine Vorlesung von Prof. Fritz Fischer, der seinerzeit wegen seines Buches "Deutschlands Griff zur Weltmacht" sehr in der Diskussion war. Er las über das Ende der Weimarer Republik 1932/1933. Den größten Eindruck machte auf mich das umfangreiche Zitieren aus der Presse jener Zeit. Ich fragte mich, ob unser Land in die Diktatur "geschrieben" wurde.

Was hat das mit den Lüchower Linden in der Schützenstraße zu tun? Es ist der Kommentar von Axel Schmidt. Offenbar hat Herr Schmidt große Probleme, mit der Pluralität unserer Gesellschaft fertig zu werden, wie sie auch in einem Kommunalparlament sichtbar wird, und sehnt sich nach Führung. Zwar beschreibt er in seinem Bericht die Argumente der verschiedenen Gruppierungen, aber in seinem Kommentar wird nur allgemein beklagt, dass die Sorgen der "Bürger" (ja welcher denn?) nicht ernst genommen werden. Ganz schlimm: Schuld an der Nichtentscheidung ist natürlich nicht die Meinungsvielfalt der Gesellschaft. Nein, es sind "die" Politiker (hier "die" Kommunalpolitiker), die sich zu sehr ihrem Parteiprogramm verpflichtet fühlen. In welchem Parteiprogramm steht etwas über die Linden in der Schützenstraße?

Darum Vorsicht, wenn "die" Journalisten Meinungsvielfalt, Parteien, Führungsschwäche der Politik beklagen. Denn dann ist letztlich die Demokratie die Verliererin.

Dr. Karl-Heinz Jastram, Hitzacker

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