Online: 18.08.2015 - ePaper: 19.08.2015

Grüner Pseudo-Informationsauftritt

Betrifft: Windenergie in Lüchow-Dannenberg (EJZ vom 14. Juli)

Bei der Windenergie geht es um Geld. Um viel Geld. Bis zu 40000 Euro Pacht erhält ein Grundstückseigentümer für eine 200 Meter hohe Windkraftanlage. 40000 Euro pro Jahr und Hektar, 30 Jahre lang. Die klassische Fruchtfolge Weizen, Kartoffel, Bauland sind dagegen die bekannten Peanuts. Auch der Landkreis profitiert von den Windkraftstandorten, wenn die Steuern hier im Landkreis bleiben. Das ist aber vor dem Hintergrund, dass ab 2016 eine Ausschreibung beim Neubau erfolgen muss, bei dem auch die großen Versorgungsunternehmen oder Investmentfonds einsteigen können und ihre Gewinne eben nicht im Landkreis versteuern, mehr als zweifelhaft.

"Wer gegen Gorleben ist, muss sagen was er will", hat sich Landrat Jürgen Schulz auf dem Podium geäußert. Ich will, dass das Getrickse und die Gefühlsduselei bei der Windenergie aufhört. Mir fehlen Aussagen zum Flächenverbrauch. Rund ein Hektar wird bei einer Großanlage als Standort mit Zufahrt und dauerhafter Arbeitsbereich um die Anlage benötigt. Wie verträgt sich das mit der täglichen bundesweiten Flächenversiegelung von 74 ha pro Tag? Genauso muss die Beeinträchtigung des Landschaftsbildes geklärt werden. Auch wenn der Landkreis seit 30 Jahren eine kreisweite Bewertung des Landschaftsbildes verweigert, führt das Naturschutzgesetz explizit den Schutz des Landschaftsbildes gleichrangig neben dem Artenschutz auf.

Auch die Erholung in freier Landschaft ist eine Vorgabe des Naturschutzgesetzes. Dazu zählen nicht nur der Tourismus. Auch die Feierabendjoggingrunde, der Gang mit dem Hund und der kurze Spaziergang fallen darunter. Statt zartem Blätterrauschen gibt es dann Rotorgebrause. Die Abstände zu FFH-Gebieten und zu sonstigen Schutzgebieten wurden auf Veranlassung der Verwaltung deutlich verringert. Begründung: Es müsse Raum für Windernergie vorgehalten werden. 1,5 Prozent der Landkreisfläche, so versucht der Landrat weis zu machen, sei durch Gerichtsurteil quasi vorbestimmt. Der Kreis Lüneburg kommt mit einem Prozent aus. Die Begriffe Landschaftsbild, Bodenversiegelung, Erholung und FFH-Gebiet kamen in den Beiträgen von Dr. Verlinden und Landrat Schulz nicht vor. Stattdessen behauptet Frau Dr. Verlinden, dass Vögel Windkraftanlagen umfliegen. Wieso empfehlen dann die Deutschen Vogelschutzwarten, den Mindestabstand zu Rotmilanhorsten auf 1500 Meter auszudehnen? Die grünen Länderumweltminister haben den Vogelschutzwarten untersagt, Stellungnahmen zu geplanten Windkraftanlagen abzugeben. Das ist grüne Realpolitik. Wachstum wie bisher. Effiziente Nutzung von Energie? Fehlanzeige. Kein Wort dazu von Verwaltung und Politik. Was ich auch nicht will, sind grüne Pseudo-Informationsauftritte über Windenergieanlagen, die nicht mal das Niveau von Heizdeckenverkaufsveranstaltungen erreichen.

Willy Hardes, Braasche

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