Online: 24.08.2015 - ePaper: 25.08.2015

Neue Eisenbahntrasse bei Pevestorf?

Betrifft: Bericht "Streuobstwiesen und Bahn" (EJZ vom 7. August)

Na, also. Warum ist da bloß vorher keiner drauf gekommen? Da streitet sich der halbe Landkreis seit Monaten über Bahntrassen und leere Kassen für Infrastruktur und Wirtschaftsförderung, seit dem Besuch von Christian Meyer in Pevestorf ist alles klar.

Muss denn erst der hannoversche Landwirtschaftsminister dem Volk den Voelkelsaft so nahe legen, wie damals Jürgen Möllemann den Einkaufswagenchip am Schlüsselbund? Den nannte man dann "Mölli". Möllemann selbst flog dann (wie Granini) aus dem Kabinett. Hatte sich das Ganze wohl zu sehr zu Herzen genommen. Da ist Christian Meyer sicherlich aus anderem Holz. Streuobstwiesen - Birnbaumholz, sturmfest und erdverwachsen.

Und dann: Endlich eine sinnvolle Idee zur Breimeier-Trasse mit moderatem Güterverkehr. Die EU-Gesetzgebung zur Liberalisierung des Eisenbahnverkehrs gestattet durchaus auch die Wieder-Gründung der Königlich Hannöverschen Staatsbahn, damit der Hoflieferant seinen Saft umweltgerecht direkt auf der Schiene zum Kabinettstisch rollen lassen kann - "nachhaltig".

Der Leitartikel vom 7. August lässt weitere Gedankenspiele zur Breimeier-Trasse (Eisenbahn Bremerhaven/Hamburg - Lüneburg - Dannenberg - Wittenberge) zu: Weil die denkmalgeschützte und in Privatbesitz befindliche Dömitzer Brücke aufgrund ihres Alters und ihrer Konstruktion sowieso nicht wieder betriebsfähig hergerichtet werden könnte, ohne ihr den Denkmals-Charakter zu rauben, muss man ja beim Neubau gleich neu trassieren.

Bereits um 1865 bis 1868 wurden mehrere Standorte für die Elbbrücke geprüft. Primär aus diplomatischen und militärischen Gründen entschied sich die unter preußischer Verwaltung stehende Berlin-Hamburgische Eisenbahn damals für Dömitz.

Zwischen Pevestorf und Lenzen ist das Elbtal schmaler, die Trassierung daher einfacher. Bei einer Linienführung Dannenberg-Gusborn-Gorleben-Gartow (West)-Pevestorf-Lenzen bekämen große Teile des Ostkreises endlich, nach 150 Jahren einen Eisenbahnanschluss.

Die riesigen Holzmengen der Gartower Forsten kämen direkt auf die Schiene. Demgegenüber ist das extrem strukturschwache Gebiet Dömitz/Polz wirklich umweltfreundlicher mit Lkw zu bedienen.

Nun, also. Was als Frotzelei über einen wohl etwas übermütigen Minister begann, endet als Aufruf zu einem "Brainstorming". Alle warten auf den "moderaten Güterverkehr": Metallverarbeiter in Lüchow und Hitzacker, Zernien; die Holzwirtschaft in Göhrde und Gartow stehe schon Schlange. Vielleicht wäre ja die Lüchow-Schmarsauer Eisenbahn in der Lage, wieder eine Eisenbahn zu werden . . .

Ulrich Lühmann,

Wustrow

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