Online: 01.09.2015 - ePaper: 02.09.2015

Brauchen Ausbau mit Augenmaß

Betrifft: Leserbrief "Grüner Pseudo-Informationsauftritt" von Willy Hardes (EJZ vom 19. August)

Speziell auf drei Dinge, die in dem Leserbrief thematisiert werden, möchte ich hinweisen.

Erstens: Flächeninanspruchnahme ist nicht dasselbe wie Bodenversiegelung. Unter einem Windrad kann weiterhin Landwirtschaft betrieben werden, auf einem asphaltierten Industriegelände eines Kraftwerks nicht - genauso wenig dort, wo der Braunkohlebagger unterwegs ist.

Zweitens: Es liegt mir fern, die Politik der Bundesregierung zu erklären. Doch die von mir kritisierte Systemumstellung weg von der festen Einspeisevergütung hin zu einem Ausschreibungsmodell ändert nichts daran, dass weiterhin 70 Prozent der Gewerbesteuereinnahmen aus dem Betrieb eines Windrads an die Standortkommune fließen und 30 Prozent dorthin, wo die Betreibergesellschaft ihren Sitz hat. Idealerweise ist dies auch in der Region.

Drittens: Das Thema Energieeffizienz und Energiesparen wurde bei der Veranstaltung explizit von mir angesprochen. Ein von mir gezeigtes Chart trug den Titel "Reduzierung Ressourcenverbrauch wichtig!", außerdem habe ich mehrere Beispiele genannt, mit welchen Instrumenten die Kommunen beim Energiesparen aktiv werden können. Das Thema Energiesparen und Energieeffizienz ist zentraler Kern meiner Arbeit in Berlin und ist mir extrem wichtig - nicht zufällig habe ich dazu meine Doktorarbeit geschrieben und das Fachgebiet "Energieeffizienz" im Umweltbundesamt geleitet, bevor ich Abgeordnete wurde.

Es ist nur leider so: Mit Energiesparen allein werden wir Atom- und Kohlekraftwerke nicht abschalten, werden wir den hohen Benzin-, Kerosin- und Dieselverbrauch im Verkehr oder den Öl- und Gasverbrauch fürs Heizen nicht ersetzen können. Gemessen am Primärenergieverbrauch (Strom und Verkehr und Wärme) machen die Erneuerbaren Energien in Deutschland derzeit nur etwa elf Prozent aus. Wir sollten sicherlich mehr als die Hälfte unseres Primärenergieverbrauchs reduzieren, auch 60 oder 70 Prozent Einsparung wären erstrebenswert. Doch mir sind keine Szenarien bekannt, wie wir die gesamte Energiemenge, die derzeit noch fossil/atomar erzeugt wird, einsparen könnten.

Deswegen: Wir brauchen auch einen Ausbau der Erneuerbaren Energien mit Augenmaß. Dazu haben wir als grüne Bundestagsfraktion einen Vorschlag vorgelegt (http://gruenlink.de/100h). Ich bin davon überzeugt, der beste und realistischste Klimaschutz ist der, wo erneuerbare Energien und Energiesparen konzeptionell gemeinsam gedacht und umgesetzt werden.

Julia Verlinden,

Bundestagsabgeordnete

der Grünen,

Lüneburg

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