Online: 01.09.2015 - ePaper: 02.09.2015

Hexenjagd gegen Homosexuelle

Betrifft: Artikel "Ehe für alle?" (EJZ vom 25. August)

Für mich als Christ, der sich nicht abhängig fühlt von der Meinung einer Kirche, mögen die Kirchen zur Homoehe stehen, wie sie wollen. Aber dass im EJZ-Beitrag unwidersprochen geäußert wird, "die Kirche habe gleichgeschlechtliche Paare immer akzeptiert", ist nicht hinnehmbar. Ob in der Inquisition oder im Dritten Reich: Kirchliche Institutionen haben Schwule und Lesben stets verfolgt, als widernatürlich diskriminiert oder ausgegrenzt. Noch 2005 schrieb der damalige Papst Benedikt in einer Enzyklika, dass der Mensch erst im Miteinander von Mann und Frau ganz werde.

Sogar die Evangelische Kirche in Deutschland ist sich bis heute keinesfalls darüber einig, ob der eingetragene Lebenspartner eines schwulen Pastors oder einer lesbischen Pastorin mit in die Dienstwohnung einziehen darf. Eine klare Akzeptanz von Schwulen und Lesben in der Kirche sieht anders aus. In vielen Regionen Afrikas haben Homosexuelle weit gravierendere Probleme mit der christlichen Kirche. Dort sind es führende Geistliche, die offen gegen Menschen pöbeln, wenn diese einen Menschen des gleichen Geschlechts lieben. Die katholische Bischofskonferenz in Nigeria begrüßt sogar die massive staatliche Verfolgung von Schwulen und Lesben als einen "richtigen Schritt in die richtige Richtung".

Amnesty International spricht von einer Hexenjagd gegen Homosexuelle - und die dortige Kirche macht mit. Für mich als Christ ist das beschämend und ich weiß, dass die derzeitige Akzeptanz hier bei uns weder selbstverständlich noch absolut ist.

Friedrich Bohlmann,

Lüchow

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