Online: 13.09.2015 - ePaper: 14.09.2015

Windkraftanlagen-Abstände gegen Ärzte-Bedenken

Betrifft: Leserbrief "Brauchen Ausbau mit Augenmaß" von Julia Verlinden (EJZ vom 2. September)

Das Anwenden des Augenmaßes bedeutet, dass man hinsieht. Bei einer Abgeordneten einer ehemaligen Umweltpartei hätte ich erwartet, dass sie auch mal einen Blick in Richtung Umwelt- und Naturschutz wirft. Davon war aber weder auf der besagten Veranstaltung selbst noch im Leserbrief der Frau Verlinden viel zu sehen. Dabei saß sie bei der Veranstaltung zusammen mit Landrat Schulz auf dem Podium und hätte zum Beispiel Folgendes klären können: Wie konnte es dazu kommen, dass bei den Abstandsregelungen zum RROP es nur wenige Wochen dauerte, bis der Landkreis fast geschlossen seinen Kotau vor der Windlobby machte und eine der schlechtesten Abstandsregelungen in ganz Niedersachsen verabschiedete? Warum meinen der Landkreis und Herr Schulz immer noch, dass man mindestens 1,5 Prozent der Kreisfläche für Windkraft ausweisen müsse, wo Herr Winkelmann auf derselben Veranstaltung erklärt hatte, dass das keineswegs nötig sei und zum Beispiel der Landkreis Lüneburg beschlossen hat, dass 0,6 Prozent genug sind? Ist es nur so, dass man in Lüneburg halt Manns genug ist, im Sinne der Bevölkerung zu entscheiden?

Woher nehmen die Abgeordneten die medizinische Expertise, um beschließen zu können, dass 900 Meter Abstand von Windpark zu Siedlung genügen, wo die Experten der Weltgesundheitsorganisation sagen, dass 2000 Meter Abstand das Mindeste sind, um auf Dauer Gesundheitsschäden zu vermeiden, wo sowohl der deutsche als auch der niedersächsische Ärztetag Bedenken gegen zu geringe Abstände äußern, Dänemark ein Moratorium verfügt hat. Sind die hiesigen Kreistagsabgeordneten wirklich so viel bessere Mediziner als all die Ärzte?

Warum wird trotz des europäischen Vertragsverletzungsverfahrens weiter versucht, gegen den Naturschutz zu tricksen (Stichwort natura 2000)? Als Beispiel sei nur der Grenzstreifen (Grünes Band) zwischen Kriwitz und Schletau erwähnt. Dieser ist europäisches Vogelschutz- und FFH-Gebiet. Bei der Umsetzung in nationales Recht ist es aus fachlicher Sicht geboten, das Gebiet als Naturschutzgebiet mit einer 1000-Meter-Abstandsregelung auszuweisen. Weil - im Protokoll nachzulesen - der Bürgermeister reklamierte, dass das seine Windparkpläne beeinträchtige, soll es nun als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen werden. Denn in einer Landschaftsschutzverordnung darf keine Abstandsregel stehen.

Das alles und noch viel mehr wären Fragen, um die sich eine Abgeordnete einer "grünen" Partei kümmern könnte. Als Abgeordnete einer Re"GIER"ungspartei scheint man dagegen lieber über Einspeisevergütungen und Renditeprognosen zu sprechen.

Bernhard Schönhammer, ↔Prezier

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