Online: 18.09.2015 - ePaper: 19.09.2015

Sandkorn im Getriebe sein

Betreff: Leserbrief von Ewis Storck (EJZ vom 2. September)

Am 2. September las man Ewis Storcks bedenklichen Satz: "Wir wollen Sand im Getriebe sein." Diese Metapher spukt seit Jahren landeinwärts. Nicht nur die, aber auch die BI gegen Atom will Sand im Getriebe sein. Viele huldigen dieser Metapher hingebungsvoll, im festen Glauben, damit Richtiges zu symbolisieren. Bei genauer Betrachtung könnte das eher ein Trugschluss sein. Bezüglich der Metapher kann Storck maximal ein Sandkorn sein. Ein Sandkorn wird in einem guten Getriebe zerrieben. Möchte Storck das? Richtig ist, dass es viele Storcks geben muss, um die nötige Menge Sand zu ergeben, die positiven Schaden schafft. Wie viel Sand ist nötig, um das hoch belastbare "Made in Germany"-Getriebe "zur Ruhe" zu bringen? Zu bedenken ist, dass jegliches Getriebe erneuer- und verbesserbar ist. Somit bleibt die Maschine "Made in Germany" reparabel. Der Sand wird samt altem Getriebe ebenfalls entfernt und ist danach kein Mittel mehr zum Zweck, sondern nur noch Staub im Wind. Ich möchte kein Sandkorn im Getriebe sein, sondern - bleibt man bei Metaphern - Wasser. Genauer: ein Wassertropfen. Wasser ist lebensnotwendig, ist durchdringender als Sand, spült diesen fort, fließt den Weg des geringsten Widerstandes, kommt dennoch zum Ziel und - erzielt einen Getriebeschaden. Klar, es kann verdampfen, wird aber letztlich wieder zu Wasser. Steter Tropfen höhlt den Stein. Und Sand? Sand wird auch für Betonköpfe benötigt. Betonköpfe findet man aber auch bei besagter BI. Nicht allzu oft besuche ich deren Veranstaltungen. Wenn doch, sehe ich einige Sandkörner, aber kein Wasser - schon gar keinen Fluss. Mir graut es schon, wenn ich nur "Großer Ratschlag" lese. Ich gebe nicht mal unseren Kindern Ratschläge. Andere erteilen gleich große. Es wird ja nichts beratschlagt, sondern einseitig propagiert. Aus Interpretationen werden dort Gewissheiten, aus diesen Wahrheiten geschmiedet. Wer hinterfragt, wird auf dreiste Art und Weise arrogant abgebügelt. Da Sand träge ist, bewegt sich im Buddelkasten der großen Ratschläger so gut wie nix, was man Protest gegen das Abbügeln nennen könnte. Die Lämmer lauschen schweigend andächtig den Hirten beim wehleidigen Klagegesang. Beängstigend. Dennoch: Ohne Zweifel verdient die BI auch viel Applaus. Doch: Wenn alle Menschen Fehler machen, welche könnte dann die BI machen? Anti-Haltung? Unredlichkeit? Elitäres Gehabe? Rechthaberei? Meine Erkenntnis: Jegliches richtige wie falsche Handeln hat seinen Ursprung in mindestens einem ersten Gedanken eines Menschen.

Richtig steht in diesem Falle für bewusst. Falsch für unbewusst. Bewusstsein verändert sich und dann dich. Du willst die Welt verändern? Vergiss es. Wer sich nicht verändern will, sollte konsequent nicht an der Welt rumdoktern. Da ich keine guten und schon gar keine großen Ratschläge habe, empfehle ich: werde Wasser!

Bodo Arndt

Gühlitz

^ Seitenanfang