Online: 05.10.2015 - ePaper: 06.10.2015

Verunsicherungen über Tetanusimpfung fahrlässig

Betrifft: Artikel "Krank durch Impfungen" (EJZ vom 23. September)

Fraglos ist die Verbesserung von Ernährungszustand, Hygiene und Wohnbedingungen weit mehr als der medizinische Fortschritt die Grundlage für unsere steigende Lebenserwartung und verbesserte Gesundheit, insbesondere auch durch den Rückgang an Infektionskrankheiten. Dass bei uns mehr gegen Unterernährung als Infektionsvorbeugung unternommen werden sollte, ist ein innovativer Gedanke. Die Körpergewichtsstatistik belegt das bekannte Problem eher auf der anderen Seite der Skala.

Unklar ist mir die Darstellung der Tetanus-Problematik durch einen in der Materie versierten Experten. Die Erkrankung wird durch das vom Tetanus-Bazillus produzierte Nervengift ausgelöst. Gegen dieses Gift werden bei der Impfung Antikörper produziert. Diese Antikörper verhindern das Auftreten der gefürchteten Erkrankung. Natürlich verhindert die Impfung nicht die Vermehrung von und auch eine Neuinfektion durch Tetanusbazillen im Körper. Wesentlich ist aber auch nur die Inaktivierung des Giftes durch die Antikörper.

In Gesellschaften ohne ausreichende Tetanusimmunisierung treten weiterhin Tetanusfälle auf, bei uns ist das Krankheitsbild so selten geworden, dass die meisten Mediziner noch keinen Fall behandeln mussten (15 Fälle/Jahr). Die Sterblichkeit liegt bei 20 Prozent. Der Krankheitsverlauf ist wochenlang und außerordentlich quälend. Eine Verunsicherung der Bevölkerung bezüglich der Nützlichkeit der Tetanusimpfung ist fahrlässig.

Poliomyelitis oder Kinderlähmung ist auch aus unserem Blickfeld verschwunden. Eindrucksvoll ist der Rückgang der Erkrankungsfälle mit Einführen der Schluckimpfung. Polio gibt es noch, gehäuft im Nahen Osten. Wir sollten unseren Impfschutz daher insbesondere in Anbetracht der Zuwanderung aus diesen Gebieten aufrechterhalten.

Diejenigen, die wegen seltener Erkrankungen nicht geimpft werden dürfen, profitieren von der Tatsache, dass durch eine hohe Immunisierungsrate Krankheiten in ihrem Umfeld seltener vorkommen. Diesen Schutz unserer gesundheitlich Schwächsten kann unsere Gesellschaft durch verantwortliches Handeln zur Verfügung stellen. Jede medizinische Maßnahme hat unerwünschte Nebenwirkungen, so auch jede Immunisierung. Daher ist es gerechtfertigt, solchen Individuen, die in seltenen Fällen durch eine Impfung zu Schaden kommen, durch den Steuerzahler zu entschädigen, denn die Gesamtgemeinschaft profitiert von der Beherrschung der Infektionskrankheiten.

Und was wird durch die Elternaussage, sie haben gesunde, weil ungeimpfte Kinder bewiesen? Helmuth Schmidt ist uralt geworden mit seiner Rauchgewohnheit. Jemanden, der deshalb behauptet, Rauchen sei gesund, halte ich für medizinisch ignorant und einen Stümper auf dem Feld der Statistik.

↔Dr. Barbara Khanavkar

↔Vietze

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