Online: 05.10.2015 - ePaper: 06.10.2015

Menschen auf der Flucht

Betrifft: Flüchtlinge

Sie nehmen ihre Kinder an die Hand / und ziehen fort, es duldet sie kein Land / Grenzwachen sind auf ihren Weg gestellt / als wie ein Hund am Tor die Wache hält. / Sind übern Meer nicht noch ein paar Acker breit / worauf nicht Gras noch Futterkorn gedeiht, / Sanddünen die noch kein Sämann bewarf, / dass dort ein Bettelvolk verhungern darf. / Der Bauch der Schiff nimmt sie endlich auf / zum Ballast hingeworfen Hauf um Hauf / und setzt sie an den fernen Küsten aus / wie Findlingskinder vor ein fremdes Haus (Hedwig Lachmann, 1919).

Die Flucht vor Pogromen, die Flucht vor Hunger und Krieg und Diktaturen. Flucht scheint zu unserem ständigem Wegbegleiter zu werden. Ja, glaubt denn eine oder einer ernsthaft, es könnten die Meere vor Afrikas Küsten leer gefischt werden, und die Fischer verhungern oder die Böden Afrikas werden für Bio-Sprit geraubt, und die Bauern verhungern, die Städte und Länder des Nahen Ostens werden in Schutt und Asche gelegt, und die Menschen krepieren in Ruinen.

Nein, das wird doch nicht ernsthaft geglaubt. Erst, wenn die Ausbeutung der Ressourcen der Länder der Welt und deren Menschen durch Wirtschaftsabkommen und Kriege aufhört, gibt es auch keine Gründe mehr für die Menschen dieser Länder, sich auf die Flucht zu begeben. Und mit einer "Willkommenskultur" auf der eine Seite und sich als die Mutter Teresa der Flüchtlinge feiern zu lassen und auf der anderen Seite die Abschottung immer brutaler voranzutreiben.

Das sind die zwei Seiten der gleichen Medaille. Die Asylgesetzgebung immer weiter zu verschärfen, die Flüchtlinge zu entrechten und die "echten" Flüchtlinge gegen die "unechten" Asylanten auszuspielen, sind die hilflosen Versuche, an unserem ungerechtem Wirtschaftssystem nichts ändern zu müssen.

Solange es uns nicht gelingt, eine Welt ohne Krieg, Hunger und Ausbeutung zu erkämpfen, kann es nur heißen: Solidarität mit den Geflüchteten über alle Grenzen hinweg und dafür auch einzutreten.

↔Hans-Erich Sauerteig

↔Meuchefitz

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