Online: 09.10.2015 - ePaper: 10.10.2015

Glyphosat auf landkreiseigenen Flächen

Betrifft: Einsatz von Glyphosat

Glyphosatzeit im Landkreis: Schachbrettartig, braune Flächen in der Landschaft - tot gespritzte Kartoffelstauden, tot gespritzte abgeerntete Getreide- oder Maisfelder, Bereiche von Wegeseitenrändern, braun von der Abdrift von Glyphosat - ein Totalherbizid, enthalten in circa 90 Produkten, beispielsweise in Roundup, eingesetzt nicht nur in der Landwirtschaft, auch in privaten Gärten und zur Pflege öffentlicher Bereiche.

Doch die Verbraucherschutzminister der Länder haben im Mai dieses Jahres einstimmig beschlossen, aus Vorsorgegründen der Bundesregierung zu empfehlen, den Einsatz von Glyphosat in öffentlichen Grünanlagen aufgrund gesundheitlicher Risiken zu verbieten. Denn Glyphosat vernichtet nicht nur Pflanzen. Auch Insekten, Spinnen, Mikroorganismen werden getötet. Höchst toxisch ist Glyphosat für sämtliche Wasserlebewesen und steht im Verdacht, Krebs zu erzeugen. Dennoch wird zur Pflege von Außenanlagen landkreiseigener Liegenschaften, zum Beispiel Schulen, das Herbizid Clinic TF eingesetzt, das 360 Gramm Glyphosat pro Liter enthält; gesprüht auch auf Schotterwegen. Ein klarer Verstoß gegen §12 des Pflanzenschutzgesetzes.

Es findet zurzeit eine europaweite, heftige Diskussion statt, ob der Einsatz von Glyphosat nach Ablauf der Zulassungszeit Ende 2015 von der EU für weitere zehn Jahre zugelassen oder ob ein Verbot ausgesprochen wird. Hintergrund: Die internationale Krebsforschungsagentur IARC der Weltorganisation WHO kommt zu dem Ergebnis, dass Glyphosat "wahrscheinlich krebserregend für den Menschen" ist. Das Bundesamt für Risikobewertung BfR, mit maßgeblich für eine mögliche Zulassung, bestreitet das und beruft sich dabei auf Gutachten, die überwiegend im Auftrag der Chemieindustrie erstellt worden sind (vgl. Süddeutsche Zeitung 20. 8. 2015).

In Südamerika zum Beispiel werden riesige Flächen von genmanipulierten Soja- und Maispflanzen von Flugzeugen aus mit Glyphosat besprüht. In Argentinien liegt die Zahl von Krebserkrankungen sowie der Missbildungen Neugeborener in den betroffenen Gebieten um ein Vielfaches über dem Landesdurchschnitt. Argentinische Wissenschaftler sehen die Ursache dafür in dem Einsatz von Glyphosat. Untersuchungen der Universität Leipzig haben Rückstände von Glyphosat im menschlichen Blut oder im Urin nachgewiesen und warnen vor Gefahren für die Gesundheit. Die Argumente für ein Verbot von Glyphosat aus Wissenschaft, Medizin, Umweltgruppen wirken: Das EU-Gremium für die Zulassung hat vor Kurzem entschieden, die Ende 2015 ablaufende Zulassung um sechs Monate zu verlängern, um weiter prüfen zu können. Es bleibt abzuwarten, welches Gewicht in der Entscheidung die Gruppierungen haben, die sich für die Gesundheit von Mensch und Tier sowie für Artenvielfalt einsetzen oder ob die Chemiekonzerne wie Monsanto und deren Lobby, für die der Handel mit Glyphosat ein Milliardengeschäft ist, mit ihrem Einfluss eine weitere Zulassung für zehn Jahre erreichen.

↔Hermann Klepper,

↔Banzau

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