Online: 09.10.2015 - ePaper: 10.10.2015

"Flüchtlingsorganisation" wird Dienstleistungen einschränken

Betrifft: Kommentare von Detlef Boick und Karl-Friedrich Kassel zu den Ausführungen des Landrates in der Kreistagssitzung am 24. September

Es ist doch schon interessant, dass sich zwei Journalisten der Elbe-Jeetzel-Zeitung zu Kommentaren hinreißen lassen, die sich offenbar auf die "stille Post" verlassen, denn sie waren beide in der Kreistagssitzung am 24. September selbst nicht zugegen. Meine dortigen Ausführungen betrafen die Arbeit der Verwaltungen, also meinen ureigensten Verantwortungsbereich. Ich habe ausgeführt: "Während die einen rund um die Uhr arbeiten - gemeint war das Ehrenamt sowie einzelne bisher zuständige Verwaltungsleute bei Aufbau und Organisation von Notunterkünften -, organisieren die anderen Oktoberfeste, Kulturelle Stadtpartien usw." Darin verbarg sich die Ankündigung, dass auf unsere Verwaltungen in den nächsten Wochen massive Herausforderungen zukommen werden, die nicht mehr - unbemerkt durch die breite Öffentlichkeit - so nebenbei zu erledigen sind, sondern die öffentliche Hand und ihre sonstigen Dienstleistungen deutlich einschränken und sich auf "Flüchtlingsorganisation" konzentrieren wird.

Schon das wird Deutschland verändern, weil es an niemandem mehr vorbeigeht. Unzweifelhaft dürfte auch sein, dass der Flüchtlingsstrom nicht abebbt und Millionen Menschen bei uns zu integrieren sind. Auch daraus wird Deutschland als ein anderes Land hervorgehen. Das wird - ganz im Sinne des Kommentars von Karl-Friedrich Kassel - von den einen als wunderbare Bereicherung und von anderen als der Untergang des Abendlandes angesehen. Ich habe die zu erwartende Entwicklung weder in die eine noch in die andere Richtung kommentiert. Die heftige Reaktion der EJZ-Journalisten auf meine Äußerungen zeigt ja im Kern eigentlich, dass das Problem vor wenigen Tagen offenbar für Außenstehende noch nicht anfassbar war und der Mensch immer dazu neigt, dass doch alles Liebgewonnene bitte so bleiben möge, wie es war. In diesem Sinne gönne ich natürlich jedem Oktoberfeste und andere Events.

Übrigens: In der Kreisverwaltung sind erste organisatorische Schritte zur Bildung eines Sonderstabes eingeleitet worden, der sich mit den kommenden Herausforderungen und deren Lösung beschäftigt. Damit bestehen erste Einschnitte in unser bisheriges Verwaltungshandeln. Wir werden sehen, was die nächsten Wochen bringen werden. Die genannten Herren der Elbe-Jeetzel-Zeitung dürfen dann gern wieder kommentieren.

↔Jürgen Schulz (parteilos),

↔Landrat, Plate

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