Online: 12.10.2015 - ePaper: 13.10.2015

Sie fordern

Betrifft: Kommentar "Keine Antwort ist zu wenig" von Benjamin Piel (EJZ vom 30. September)

Dank an Herrn Piel für seinen Kommentar. Inzwischen ist es doch so, dass besorgte oder kritische Bürger von geradezu Flüchtlingsbegeisterten schnell als fremdenfeindlich angesehen werden. Warnende Stimmen hat es am Beginn der Syrienkrise auch gegeben. Sie wurden ebensowenig beachtet wie seinerzeit bei Afghanistan. Wie damals, so auch jetzt die arrogante Meinung, wir schaffen das. Aber was schaffen wir denn? Wir schaffen weder einen Schuldenabbau noch Minderung der Kinder- oder Altersarmut; überall nur Zuwachsraten.

Doch zurück zum Thema Flüchtlinge; die wirklich Bedürftigen leben in den Lagern der Türkei und Jordaniens. Ihnen fehlte das Geld für Schleuser (die Rede war stets von einigen Tausend Euro oder Dollar) beziehungsweise Bahnfahrkarten. Die auf Landwegen herkommen, und das sind ja wohl die meisten, sehen wie auf dem Foto in der EJZ vom 30. September nicht gerade hungernd oder abgerissen aus wie Millionen Deutsche, die im und nach dem Krieg innerhalb Deutschlands auf der Flucht waren, und Brennesseln, Melde und Kartoffelschalen haben sie unterwegs wohl eher nicht gegessen. Wir wurden nirgends mit Blumen begrüßt oder gar willkommen geheißen, im Gegenteil. Daran darf auch mal gedacht werden; das erklärt manche zurückhaltende Einstellung zu diesem Thema. Wenn man dazu erfährt (Nachricht vom 29. September), dass 650 Euro Betreuungskosten pro Flüchtling monatlich vorgesehen sind, darf auch darüber nachgedacht werden, so wie über die Tatsache, dass ein Flüchtling ein Smartphone mit einem 500-Euroschein bezahlen wollte. Der Ärmste hatte nicht mal Kleingeld. Müssen sich da nicht viele, insbesondere Frauen, die 45 Jahre und mehr gearbeitet haben und eine niedrigere Rente beziehen, verhöhnt vorkommen? Wie mit Deutschen umgesprungen wird, kann man eindrucksvoll am Beispiel Tiesmesland nachlesen (EJZ, 30. September).

Wie schnell einige Flüchtlinge integriert werden wollen, beschreibt ein Artikel in einer anderen Zeitung vom 25. September. Zitat: "An der Mehrzweckhalle in Griebo (Landkreis Wittenberg), die derzeit als Notunterkunft für Flüchtlinge genutzt wird, sind gestern morgen 30 Asylbewerber in einen Sitz- und Hungerstreik getreten. Sie fordern eine Unterbringung in Wohnungen. Die Halle ist derzeit mit 111 Menschen belegt." Sie fordern - wie bescheiden. Frage: Darf es auch ein Drei-Sterne-Hotel sein?

↔Willi Grande, Prisser

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