Online: 12.10.2015 - ePaper: 13.10.2015

Wertvolle Ressource

Betrifft: die Leserbriefe "Deutschland sollte aus der Europäischen Union austreten" von Horst Ahlgrim und "Ein glatter Verfassungsbruch" von Rainer Pehlke (beide EJZ vom 2. Oktober)

Den Menschen, die ihre Ängste vor Wohlstandsverlust und Veränderung hinter eingebildeter "Vernunft" und fragwürdigen Bürokratismen verstecken, möchte ich eine Frage stellen. Stellen Sie sich ein Kind vor, das mit dieser Haltung der Angst erzogen wird. Dass Fremdes immer suspekt oder gar gefährlich ist. Dass man selbst zu kurz kommt, wenn man auch andere an den Topf lässt. Dass überhaupt zu wenig von allem für alle da ist. Und dass am besten alles so bleiben soll, wie man es gewohnt ist.

Und dann ein Kind, das früh mit "Fremdem" in Kontakt kommt. Lernt, was andere für Ideen und Fähigkeiten haben und wie man sich ergänzen kann. Lernt, sich in anderen Sprachen über Grenzen hinweg zu verständigen. Lernt, dass Kräfte sich vervielfältigen können, wenn man gemeinsam etwas erreichen will.

Welches Kind wird wohl erfolgreicher durchs Leben gehen? Glücklicher sein? Einen größeren gesellschaftlichen Beitrag für alle leisten?

Heute haben wir in Prießeck und Umgebung zusammen mit 15 zumeist jungen Männern aus der Flüchtlingsunterkunft Lüchow für den Willkommenstrunk Äpfel geerntet und jede Menge Spaß gehabt. Die Jungs waren allesamt hochmotiviert, offen, kontaktfreudig, und wir haben in Rekordzeit einen großen Hänger vollgemacht. Ist das nicht eine unglaublich wertvolle Ressource für die vielbeschworene Zukunft unseres Landes? Für uns persönlich war es allemal ein Gewinn.

Wie wir mit diesem Potenzial umgehen, liegt in unserer Hand. Angst ist dabei kein guter Ratgeber. Diese Menschen wollen ihre Chance ergreifen. Gemeinsam mit uns.

↔Simone Walter, Prießeck

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