Online: 16.10.2015 - ePaper: 17.10.2015

Das Fass abdichten

Betrifft: Leserbrief "Flüchtlingsorganisation wird Dienstleistungen einschränken" von Jürgen Schulz (EJZ vom 10. Oktober)

Warum Herr Schulz Journalistenschelte betreibt, weil sie bei der Sitzung nicht anwesend waren, ist unverständlich, zumal zwei unterschiedliche Meinungen dargestellt waren. Politiker verlassen sich nicht auf die "stille Post", oder? Ansonsten: Herr Schulz haut in die gleiche Kerbe wie andere Politiker. Wir müssen den Gürtel enger schnallen, die Leistungen des Öffentlichen Dienstes werden eingeschränkt, entsprechende Abgaben sind ja auf Land-, Bundes- und EU-Ebene in Vorbereitung. Auf Deutsch: Dem deutschen Volk Wassersaufen verordnen und selber Wein trinken.

Mir ist kein Amtsträger bekannt, der bisher eine Flüchtlingsfamilie aufgenommen hat, also mit gutem Beispiel vorangegangen ist, geschweige denn auf Bundesebene. Gegen die zu erwartenden Kostensteigerungen durch den Flüchtlingsstrom werden die Erhöhungen der Grundsteuer im Kreis "peanuts" sein. Unverständlich ist auch, dass die Flüchtlinge zu keinerlei Arbeiten im Sinne des Gemeinwohls herangezogen werden. Auch wenn sie (noch) nicht die deutsche Sprache sprechen, reichen schon Kenntnisse des Smartphones aus, und nicht nur zur Nutzung, um Freunde und Bekannte nach Deutschland zu lotsen. Wenn dann Polizeihundertschaften wie in Woltersdorf eingesetzt werden müssen, kann ich nur schwer das Motiv der politischen Verfolgung der Flüchtlinge erkennen. Wieweit wir in Deutschland gekommen sind, zeigt der Shitstorm auf den Bürgermeister in Hardheim, der es gewagt hatte, einen Verhaltensknigge für die Flüchtlinge zu formulieren. Wenn ein Fass überläuft, kann man nicht ein Loch zum unkontrollierten Abfluss bohren, sondern muss es abdichten. Noch befinden wir uns nicht im Kriegszustand, aber wenn Deutschland weiterhin Sozialstation der Welt ist, muss man gar nicht in der rechten Ecke stehen, um den Verfall des deutschen Gesellschaftssystems zu diagnostizieren. Frau Merkel hat gesagt "Wir schaffen das", wenn es so weitergeht, hat sie das deutsche Volk geschafft.

Norbert Bleck, Bellahn

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