Online: 16.10.2015 - ePaper: 17.10.2015

Leuchtturm zur Dorfentwicklung

Betrifft: Diskussion Grundschulschließung

"Wir müssen für den Erhalt unserer Grundschulen kämpfen!" - ein Elternbeitrag, der unbedingt Zustimmung erfordert. Nur, die Inhalte und Ziele dieses Kampfes sollten schon klar formuliert sein. Geht es darum, das Gebäude zu erhalten oder geht es darum, zukunftsgerichtete Pädagogik umzusetzen?

30 Kinder sind für einen Schulstandort grenzwertig, da wird es schwierig mit zukunftsgerichteter Pädagogik. Also: mehr Kinder braucht das Land, dann ist die Debatte über Schulschließungen vom Tisch. Bürgermeister, Rat und Verwaltung sind ungeeignete Zielscheiben im Schulkampf; sie sind nicht verantwortlich für die Zeugungskraft der Mitbürger. Wohl aber mitverantwortlich für die Rahmenbedingungen, die junge Eltern mit Kindern ermuntern, in den Landkreis zu ziehen.

Wendland ist Kinderland! Über Nacht kommen 1400 Flüchtlinge in den Landkreis, viele Kinder sind dabei. Alle Grundschulen könnten erhalten werden, gelänge es, die Familien mit Kindern hier zu halten und zu integrieren. Wäre es von daher nicht sinnvoll, dass der Kampf der Eltern um den Erhalt der Grundschulen gemeinsam mit den Bürgermeistern, den Räten und den Verwaltungen geführt wird und das Ziel hat, den Flüchtlingsfamilien Wohnung und Arbeit zu verschaffen, um dann die Kinder in den Schulen willkommen zu heißen? Ich stelle mir die Frage, wie kann man initiieren, dass leere und ausbaufähige Gebäudesubstanzen auf den Dörfern zu ordentlichem Mietraum ausgebaut und an Flüchtlingsfamilien vermietet werden? Alle hätten Vorteile davon.

So könnte es gehen: Sollten sich Menschen mit ausbaufähigen Nebengebäuden entschließen, Flüchtlinge auf ihrem Hof aufzunehmen, wären die notwendigen Finanzmittel sicherlich über öffentliche Förderungen und einen Spendenaufruf zu akquirieren. Ich würde aktive Nachbarschaftshilfe beim Ausbau leisten wollen, um auch lernwillige Flüchtlinge in den Ausbauprozess mit einzubinden. Gemeinsam arbeiten - gemeinsam lernen - gemeinsam wohnen - gemeinsam helfen! Während des Bosnienkrieges haben wir mit den Flüchtlingsfamilien gute Erfahrungen gesammelt.

Viele offene Fragen einer Integration ließen sich so lösen: Die Sprache wird erlernt, handwerkliche Prozesse werden verstanden, Sitten und Gebräuche erkundet - Freundschaften geschlossen. Über eine Projektausschreibung sucht die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung Leuchtturmprojekte zur "Sozialen Dorfentwicklung". 1400 Flüchtlinge im Landkreis zu integrieren wäre ein solcher Leuchtturm zur sozialen Dorfentwicklung. Es wäre ein Beitrag zur Integration, ein Beitrag zur Entwicklung des ländlichen Raumes und einer neuen Sozialstruktur auf dem Lande. Für eine Konzeptskizze sind nur wenige Seiten Antragsprosa nötig. Der Abgabetermin ist der 15. November 2015, also noch genügend Zeit.

↔Michael Seelig, Kukate

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