Online: 16.10.2015 - ePaper: 17.10.2015

Keine Satire mit wahrhaftem Unmenschen

Betrifft: David Wnendts Satirefilm "Er ist wieder da"

Auf meinem Schreibtisch liegt ein Kalender der Weltgeschichte aus den 80er-Jahren mit den Porträts bedeutender Persönlichkeiten, unter denen Name und Abbild des Mannes ausgespart sind, den auch ich nicht öffentlich nenne. Unter dem Datum 1933 ist eine Fahne zu erkennen, so gefaltet, dass man das schreckliche Symbol nur erahnt: "Nie wieder" war nach 1945 die Gewissenserkenntnis der zivilisierten Welt und Deutschlands, das ihr von Neuem angehören wollte!

Und nun, 70 Jahre danach, sehe ich "ihn", den wahrhaften Unmenschen, sehe sein Double vor ein paar Tagen im ARD-Moma agieren im Rahmen einer ganz ordinären Filmbesprechung und lese gestern die, wie es scheint, pflichtschuldige Rezeption in der EJZ mit dem Bezug auf mutmaßliche öffentliche Reaktionen, als ob es sich um eine der üblichen Zeitsatiren handele!

Nein! Hundertmal nein! Das Dritte Reicht, vor allem sein "Gründer" sind - mit der absoluten zeitgenössischen Ausnahme von Chaplins Klassiker - heute wie seit 70 Jahren und in alle Zukunft keine Verlebendigung und erst recht keine Satire wert!

Sie sind jeder Form des Nachlebens unwert, wie das unmenschliche Nazi-Verdikt damals lautete, - nur der geschichtlichen Lehre und Mahnung für alle Zeiten zugänglich!

Und wer dies anders sieht, wer etwa glaubt, man könne jetzt nach 70 Jahren "lockerer" darüber befinden, der gedenke der Millionen Opfer dieses Systems und vergegenwärtige den Verlustschmerz heute noch lebender Angehöriger!

↔Dr. Joachim Schwarze,

↔Wustrow

^ Seitenanfang