Online: 19.10.2015 - ePaper: 20.10.2015

Ohne Buern wör dat all nich

Betrifft: Werbebeilage und Imagekampagne des Bauernverbandes

Ein bewährtes Mittel in der Industriegesellschaft, eine Krise zu bewältigen, ist, eine Imagekampagne zu starten, anstatt die anstehenden Probleme zu lösen. Bei Konflikten fliegen Reklamebomben in der Politik, bei der Atomindustrie, bei VW. Überall ist immer die gleiche Masche die Antwort: "Wir sind die Guten, wir arbeiten nur für sie und ihr Glück, wir setzen auf ihr Vertrauen!" Durch die Verschleierung der wahren Verhältnisse missbraucht jetzt auch der Bauernverband seine Mitglieder und will uns glauben machen: "Für eine Tüte Chips dürfen Bauern alles!"

"Man muss mit der Öffentlichkeit, die die Landwirtschaft immer wieder und häufig zu unrecht kritisiere, reden und sich nicht immer nur rechtfertigen müssen." Das sagte einer der Funktionäre auf dem Kreisbauerntag. Und "Ohne Buern ward dat nix!" ist der angekündigte Bürgerdialog nach Bauernart. Kein Wort über die komplexen Zusammenhänge und Ursachen einer berechtigten Kritik an dem modernen Landwirtschaftssystem, für das vor allem der Bauernverband Mitverantwortung trägt. Kein Ansatz zur Lösung der bestehenden Konflikte. Es wurde genug geredet über die Zerstörung öffentlicher Wege durch übergroßes und zu schweres landwirtschaftliches Gerät, das Abpflügen der öffentlichen Wegeränder, über das illegale Roden von Hecken und Knicks, über den "legalen" Umbruch von Grünlandflächen, über tierquälerische Haltungsformen, über die Ressourcenverschwendung durch die Feldberegnungen, über die Zusammenhänge zwischen gegenwärtiger Landbearbeitung und den Hochwasserkatastrophen, über den schleichenden Abbau von Humus durch Kunstdünger, über Krebserzeugung durch amtlich zugelassene Pflanzenschutzmittel, über die Zusammenhänge zwischen Pflanzenschutz und Bienensterben, über die Überdüngung von Flüssen und Seen durch ausgeschwemmten Kunstdünger, über die schleichende Vergiftung des Grundwassers durch Pflanzenschutzmittel! "Ohne Buern ward dat nix!" muss heißen "Ohne Buern wör dat all nich!"

Michael Seelig, Kukate

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