Online: 19.10.2015 - ePaper: 20.10.2015

Keine schulpolitischen Abenteuer

Betrifft: Schuldiskussion IGS/Gymnasium in Dannenberg

Ohne einen breiten gesellschaftlichen Konsens darf es keine gravierenden Veränderungen in einer regionalen Schullandschaft mit einem breiten Bildungsangebot wie in Lüchow-Dannenberg geben. Dabei sind auch die Belange der eventuell davon betroffenen Kommunen zu berücksichtigen. Ein vorhandenes Gymnasium gehört zu den wichtigsten Standortfaktoren für ansiedlungswillige Unternehmen und andere potenzielle Neubürger. Es darf deshalb auf keinen Fall leichtfertig durch eine Schließung geopfert werden.

Die schulpolitische Realität in Niedersachsen sieht leider ganz anders aus. Es ist bekannt, dass Schulreformen etwa zehn Jahre brauchen, bis sie eine feststellbare Wirkung entfalten. Die durchschnittliche Verweildauer von Kultusministern im Amt, von denen jeder neue Ideen verwirklichen möchte, ist mittlerweile auf rund zweieinhalb Jahre gesunken. Statt eines Radikalumbaus sollten die Politiker den Schulen endlich mal Ruhe versprechen, damit diese Zeit haben, begonnene Reformen umzusetzen. Der Rahmen ist nicht so wichtig. Auf die Lehrer kommt es an - auf änderungswütige Schulpolitiker eher weniger.

Dessen ungeachtet wird Niedersachsen wieder mal durch die geplante Schulgesetznovelle in neue Schulkämpfe gestürzt. Die Existenz zahlreicher Gymnasien gilt dadurch als gefährdet. Sie alle sollen durch IGS ersetzt werden. Dazu passen auch die offenbar im nächsten Jahr geplante Abschaffung der Gymnasiallehrerausbildung und das Vorhaben, die Grundschulen und IGS zusammenzufassen.

Das alles kann nur ein Ziel haben, nämlich die Austrocknung der Gymnasien. Wenn man glaubt, dass eine IGS alle anderen Schulformen ersetzen kann, hat das mit einem fairen Wettbewerb zwischen den Bildungsangeboten nichts mehr zu tun. Das Ergebnis wäre eine Gesamtschulmonokultur, die doch wohl niemand ernsthaft haben möchte.

Bei Schaffung einer neuen IGS sind erst einmal neun Jahre erforderlich, bis sie beweisen kann, dass ihre Schülerinnen und Schüler gut zum Abitur geführt werden. Und das auch nur, wenn es überhaupt eine gymnasiale Oberstufe gibt - für mich eine nicht zu verantwortende Lücke, ohne die Möglichkeit ein Abitur ablegen zu können.

Das FRG dagegen stellt für mich eine gut erreichbare, starke und beliebte Säule in unserer Schullandschaft dar. Neue, in die Zukunft gerichtete Konzepte liegen auf dem Tisch oder werden bereits umgesetzt. Über ein halbes Jahrhundert hinweg hat dieses Gymnasium sehr erfolgreich gearbeitet und ist dabei weitgehend schadlos durch einige Höhen und Tiefen gegangen.

Ich kann keinen triftigen Grund für eine Schließung erkennen. Wir brauchen keine schulpolitischen Abenteuer, begünstigt durch die Zickzack-Kurse von Politikern und ihren Parteien. Wir sollten bei den bewährten, verlässlichen Strukturen bleiben.

Günter Voß,

Dannenberg,

Mitglied im Stadtrat

Dannenberg

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