Online: 19.10.2015 - ePaper: 20.10.2015

Überflüssig und reine Geldverschwendung

Betrifft: Kommentar "Luxus-Ausgaben" von Detlef Boick und Leserbrief "Wirtschaftlichkeit auf den zweiten Blick" von Dr. Frederik Holst, Kolborn (EJZ vom 10. Oktober)

In der Ausgabe der EJZ vom 10. Oktober wurde gleich zweimal die neugebaute Straße zwischen Kolborn und Lüchow erwähnt. Redakteur Detlef Boick sieht in den dort verbauten Leitplanken Luxusausgaben, und Herr Dr. Frederik Holst zieht diesen Straßenbau heran, um die drohende Schließung von Grundschulen aus "Wirtschaftlichkeitsgründen" zu relativieren. Beiden Überlegungen kann man nur aus ganzem Herzen zustimmen.

Ich befahre diese Strecke täglich mit dem Rad, und ich halte diesen Ausbau für völlig unangemessen, für überflüssig und für reine Geldverschwendung. Zum einen waren die ersten 300 Meter ab Kolborn völlig intakt. Dort hätte gar nichts getan zu werden brauchen. Aber dort wurden als erstes fünf schöne gesunde Bäume gefällt. Die gelten ja nichts und stören nur. Hinter dem Abzweig gab es einige Löcher im Asphalt und an der Bankette, richtig. Aber wer wird sich denn darüber aufregen? Autofahrer etwa? Deren moderne Blechkutschen sind doch so perfekt gefedert, dass ihnen so ein paar "Huckel" (EJZ) nicht aufstoßen dürften. Sollen sie doch ihre Geschwindigkeit anpassen! Da wird Radfahrern, die meist nicht gefedert daherkommen, oft wesentlich Ärgeres zugemutet.

Zum anderen gibt es auf dieser Strecke verschwindend wenig Verkehr. Bei sicher der Hälfte meiner Fahrten begegnet mir dort kein einziges Fahrzeug, höchstens Radler. Ich frage mich, ob hier eine Verkehrszählung stattgefunden hat, um die Notwendigkeit eines solch großkotzigen Ausbaues einer Dorfrandstraße auf 5,50 Meter Breite zu rechtfertigen. Sicherlich nicht! Und dann die Bewehrung der Waldränder und angrenzenden Zäune mit aufwändigen Leitplanken: Diese selbst stellen meines Erachtens eine Gefährdung dar und sind reine Geldverschwendung.

Jetzt wird argumentiert, dass ohne diese Straßenbreite und Leitplanken, und ohne die zulässige Geschwindigkeit von 60 km/h vorher auf 100 km/h freizugeben, keine Fördergelder bewilligt worden wären. Mag ja sein. Aber wachsen diese Fördergelder auf den Bäumen, oder fallen sie vom Himmel? Es sind allemal Steuergelder, die hier verschwendet wurden. Ob sie jetzt aus dem Topf der Stadt, des Kreises, des Landes oder des Bundes kommen. Das spielt keine Rolle! Steuergeld ist Steuergeld, ist unser Geld! Und die damit umgehen, sind in der Pflicht, dieses sorgsam zu tun! Und nicht es auf eine so leichtfertige Weise zu verplempern. Man hätte die Sanierung mit einer kleinen Lösung wesentlich billiger haben können!

Das Freibad wurde geschlossen, Grundschulen wurden und werden geschlossen, weil das Geld fehlt, aber für die Förderung eines maßlosen Autoverkehrs wird alles getan. Für mich stellt der Ausbau dieser Straße eine schon fast kriminelle Veruntreuung öffentlicher Gelder und gröbste Missachtung des Sorgfaltsgebotes durch die Leute dar, die das zu verantworten haben! Es ist ein Skandal, dass so ein Bau durch die Gremien geht. Schlafen die da alle?!

↔Horst-Henning Tews,

↔Kolborn

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