Online: 21.10.2015 - ePaper: 22.10.2015

Unbürokratisch unterrichten

Betrifft: Artikel "Verneigen vor Hilfsbereitschaft" (EJZ vom 7. Oktober)

Ja, wir in DAN können schon etwas lostreten und lassen uns auch gern dafür loben. Aber es fängt alles erst an, zum Beispiel der leider zunächst noch ehrenamtliche Deutschunterricht. Besser wäre hauptamtliche Tätigkeit im Rahmen der LEB-Kurse, auch für Menschen in den Notunterkünften. Das Land sieht aktuell 20 Stellen für Deutschunterricht in Erstaufnahmeeinrichtungen vor, zu fordern wäre eine ähnliche Versorgung für alle Camps.

Denn die Verweildauer dort kann vielleicht Monate betragen. Unter Umständen müssen sie wieder fort - aber dann haben sie schon eine gewisse sprachliche Basis. Mit Schaustellerkindern gehen wir auch so um. Liebe Samtgemeinde, liebe Kreisverwaltung, tut was für den Übergang! Vom Land hören wir über verschiedene Kanäle und auf Veranstaltungen, dass "unbürokratische" und "den speziellen Bedingungen vor Ort angepasste Lösungen" unterstützt werden sollen. Warum also nicht Einschulung von Kindern nach den Ferien, wer wagte es von der "höheren Ebene" - oder wollte dies überhaupt - die Kinder wieder aus den Schulen fortzuholen?! Es müssen zu Anfang nicht Sprachförderklassen sein, auch Mitnahme von ein, zwei Kindern in regulären Klassen klappt. Ich habe es selbst erlebt, wie schnell sich Kinder ohne jegliche Deutsch-Kenntnisse eingliedern, sogar Analphabeten konnten wir an meiner Gesamtschule so weit fördern, dass sie vom regulären Unterricht profitierten. In unserem Camp in Dannenberg haben wir es aber mit Kindern und Erwachsenen zu tun, die zurzeit mit höheren Bildungsvoraussetzungen als die Durchschnitts-Deutschen kommen, sich mit dem Lernen entsprechend leichter tun. Es sieht zudem so aus, dass die Selbstorganisation hier sehr gut funktioniert - auch und gerade, weil die Camp-Leitung einen so guten Start hinbekommen hat - Respekt! Solange alles ehrenamtlich läuft, benötigen wir noch mehr Unterstützung, konkret zum Beispiel beim geplanten Deutschunterricht: Spendet Hefte, Papier, gern auch Geld für Unterrichtsmaterial, damit wir bald starten können. Ein Aufruf geht auch an alle, die beim Deutschunterricht helfen könnten, aber nicht dem Appell des Kultusministeriums auf der "offiziellen Schiene" folgen mögen. Es müssen nicht (vollausgebildete) Lehrer/innen sein. Bis auf weiteres Kontakt über das Café Zuflucht in der Marschtorstraße.

Friederike Borowsky,

Glieneitz

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