Online: 21.10.2015 - ePaper: 22.10.2015

Verschwiegene Missionsabsicht

Betrifft: Artikel "Geschenke für die Ärmsten" (EJZ vom 14. Oktober

Die EJZ berichtet über die Aktion "Weihnachten im Schuhkarton", die seit 20 Jahren auch in Deutschland immer mehr Menschen motivieren soll, für Kinder vor allem in Osteuropa Schuhkartons liebevoll zu packen. Kindern Freude bereiten ist sicherlich ein Anliegen vieler Menschen. Dass mit den Kartons den Kindern auch der Glaube an Jesus mittels missionarischer Werbebeilagen geschenkt werden soll, wird in keiner Presseveröffentlichung erwähnt.

In Deutschland wird die Aktion vom Verein "Geschenke der Hoffnung" durchgeführt, der wiederum Lizenznehmer von "Samaritan's Purse" ist, also Lizenznehmer eines Projektes der "Billy Graham Evangelistic Association" in Boone, North Carolina. Obwohl "Geschenke der Hoffnung e.V." über das allgemein anerkannte Spendensiegel des "Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen" in Berlin verfügt, stellen insbesondere die fragwürdigen Äußerungen von Franklin Graham, dem Leiter der "Billy Graham Evangelistic Association" hinsichtlich des Islam als "Religion der Gewalt" und die unverhohlene Beschuldigung, dass der Islam "teuflisch und böse" sei, das Missions- und Hilfswerk ins Abseits. Graham unterstützte den Irakkrieg von Bush als Kampf gegen das Böse. Die Schuhkartons für Kinder sind dabei ein Instrument seiner Missionsabsichten.

"Weihnachten im Schuhkarton ist in erster Linie eine evangelikale Missionsaktion", sagt auch das Bistum Trier in einer Internetveröffentlichung und führt weiter aus: "Sie beschränkt sich nicht auf die Verteilung der gesammelten Geschenkkartons. Die Kinder, die die Geschenkkartons erhalten, sollen mit den christlichen Missionaren und Gemeinden in Kontakt kommen, die die Verteilung organisieren. Auch Angehörige nichtchristlicher Religionen, die das christliche Weihnachtsfest nicht feiern, sollen auf diese Weise missioniert werden." Das Bistum Trier lehnt Missionierungs-Praktiken ab, bei denen Geschenke für bedürftige Kinder als "Türöffner" und Werbemittel für Missionsaktivitäten eingesetzt werden. Das gilt besonders für die Missionierung von Angehörigen nichtchristlicher Religionen.

Problematisch neben den verschwiegenen Missionsabsichten an "Weihnachten im Schuhkarton" ist, dass die Aktion mit Hilfswerken, die Entwicklungshilfe leisten, konkurriert. Es wäre fatal, wenn für Schulpatenschaften, Straßenkinderprojekte, Dörfer für Aids-Waisen oder Bau von Brunnen weniger gespendet würde, weil sich die Hilfsbereitschaft in den Weihnachtspäckchen erschöpft.

Hartmut Berg,

Vietze

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