Online: 21.10.2015 - ePaper: 22.10.2015

Die sollen auch mitessen

Betrifft: Flüchtlingssituation

Viele Anhänger der CSU, mehr rechts geht ja kaum noch, sind der Meinung "Das Boot ist voll". Wer jetzt noch kommt, stört unser ach so bequemes Leben. "Das Boot ist voll" ist ein alter Spruch, ein beschämender Teil europäischer Geschichte.

Sehen wir zurück: Der jüdische Emigrant Hans Meyer schrieb in seinem Buch "Ein Deutscher auf Widerruf": "(...) in der Nacht zum 16. Juli 1942 wurden allein in Paris fast 13000 Juden verhaftet, darunter ein Drittel Kinder unter 16 Jahren. Wer vorerst entkam, versuchte, sich in die Schweiz zu retten. Dort aber wurde die Losung ausgegeben: "Das Boot ist voll".

Humaner Satz

Der Sozialist Walter Bringolf, damals Bürgermeister von Schaffhausen, hat den Vorgang später und im Rückblick so beschrieben: "Abrupt ging an alle Grenzstellen im ganzen Land Weisung, abzuweisen, und alle, die die Grenze illegal überschritten hätten und im Innern es Landes erwischt würden, wieder zurückzustellen - was den Tod bedeutete, wie man genau wusste. (Das "J" im Pass deutscher Juden, hatten sich, wie man heute weiß, Berner Fremdpolizisten ausgedacht).

Aber überall im Lande wurde auf die Losung "Das Boot ist voll" von Menschen geantwortet: Solange wir noch zu essen haben, sollen sie auch mitessen! Wenn man aus der Geschichte lernen will, kann man diesen humanen Satz nur wiederholen: Solange wir zu essen haben, sollen die auch mitessen!

Wir haben 70 Jahre Frieden. Ein Glück, das kaum jemand wirklich versteht, der keinen Krieg erleben musste. Lernen wir aus der Geschichte!

Dietrich Seebohm,

Hitzacker

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