Online: 23.10.2015 - ePaper: 24.10.2015

Fanatismus

Betrifft: Artikel "Gleichmacherei par excellence" (EJZ vom 15. Oktober)

Dass die Führenden der hiesigen CDU sich als Gralshüter des Dannenberger Gymnasiums sehen, ist allseits bekannt und zunächst mal aller Ehren wert. Was allerdings erschreckt, sind die Faktenblindheit und der ideologische Fanatismus, mit denen die Integrierte Gesamtschule verteufelt wird. Seit der Zeit, zu der auch Kurt Behning die Schulbank drückte, haben zahlreiche Menschen, die heute "Ärzte, Ingenieure, Freiberufler und Unternehmer" sind, mit dem Qualitätskriterium IGS-Abi im Rücken genau diese Schulform durchlaufen. Geflissentlich übersieht der CDU-Fraktionsvorsitzende im Dannenberger Stadtrat, dass es in den vorigen Jahren immer wieder Integrierte Gesamtschulen waren, die als beste Schulen des Landes mit dem Deutschen Schulpreis ausgezeichnet wurden.

Nicht vergessen sollte man auch, dass ein Gymnasium zum Führen einer Oberstufe genau so viele Schülerinnen und Schüler braucht wie eine IGS. Keine Wahlmöglichkeit? Etliche Eltern aus dem Nordkreis schicken ihr Kinder ins weit entfernte Clenze zur KGS, obwohl das gegliederte Schulwesen vor der Haustür liegt. Da mag es für die, die es wirklich wollen, doch möglich sein, ihre Schützlinge nach Lüchow auf das Gymnasium zu schicken, wenn ihnen das IGS-Abi suspekt ist. Sicher ist es auch so, dass manche Eltern aus dem Lüchower Raum ihre Kinder gern an eine IGS nach Dannenberg schicken würden, so dass ein Ausgleich durchaus vorhanden wäre.

Wir brauchen hier nicht das Anheizen der ideologischen Debatte der 70er-Jahre des vorigen Jahrhunderts - das reicht vielleicht für einen parteiinternen Aufstieg. Es ist jetzt die Zeit, den Eltern der Kita- und Grundschulkinder den Zugang zu gründlichen und umfassenden Informationen über diese IGSen zu ermöglichen. Dazu gehört es dann auch, einen großen Kreis solcher Eltern(vertreter) zu vorgesehenen Bereisungen einzuladen. Ich bin sicher, dass so wertgeschätzte Eltern ihr Votum trotz des ideologischen Kriegsgeschreis aus Parteischützengräben sachlich und selbstbewusst abgeben werden.

Herbert Schaper-Biemann,

Karwitz

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