Online: 26.10.2015 - ePaper: 27.10.2015

Dannenberg: Warum so häufig krank?

Betrifft: Artikel "Viele Kranke, weniger Aufträge" (EJZ vom 15.Oktober)

Dass kommunale Dienste nicht viel Geld verdienen, ist ja nicht wirklich neu. Und 63000 Euro Defizit erscheinen eher undramatisch. Aber die genannten Gründe für die Defizite haben es in sich. Da stellen sich doch einige Fragen, die eigentlich schon in dem Artikel hätten gestellt werden müssen.

Ad eins: der Krankenstand: 19 Arbeitstage bedeuten bei 254 Arbeitstagen im Jahr minus Urlaub ein Krankenstand von 8,5 Prozent. Der Krankenstand beträgt im Bundesdurchschnitt je nach Branche 2 bis 4,6 Prozent. Warum ist er in Dannenberg so dramatisch hoch? Die gesetzlichen Krankenkassen machen regelmäßig Untersuchungen zu den Gesundheitskosten und nennen bereitwillig die von ihnen recherchierten Gründe, welche sie als Hauptursachen für hohe Krankenstände in den Betrieben ansehen, nämlich fehlende Personalführungskompetenz, psychische Überlastung und schlechtes Betriebsklima. Wie ist das in Dannenberg?

Ad zwei: der Stundensatz von 38,45 Euro: Dem Auftraggeber, der diesen Stundensatz zu bezahlen hat, können "Dienstvorbereitung und Erholungspausen" nicht berechnet werden. Im Stundensatz müssen diese Kosten bereits eingeschlossen sein. Da rechnet man wohl im Bauhof nicht korrekt. Wenn man in Lüchow die Bauhofleistungen für 30 Euro arbeiten kann, stellt sich die Frage, ob man dort einfach nur fleißiger ist. Oder rechnet man dort anders? Wie hoch ist das Defizit dort? Ad drei: die Arbeitseffektivität: Jeder Handwerksbetrieb oder handwerkliche Dienstleister muss zu Festpreisen arbeiten und kann sich keine Verschwendung von Arbeitsminuten leisten. Ist das einer der Gründe, dass zunehmend kommunale Dienste von anderen, privaten Firmen ausgeführt werden? Und diese machen es auch noch schneller und billiger als die Kommunen. Wie können die so bestehen? Wird der Bauhof in Dannenberg bald "outgesourced", also privatisiert?

Man sieht, es gibt viel Raum für die Verantwortlichen in den Kommunen, ihr Handeln zu überprüfen und Verbesserungen herbeizuführen. Werden Auswege diskutiert oder wenigstens angedacht? Wie will man den Defiziten begegnen? Mit Personalerhöhung kann man Fehlbeträge nicht verringern. Und an der Gebührenschraube zu drehen, ist gewiss ein falscher Weg. Auch kommunale Dienste haben ihren Markt. Wer aber den Marktgesetzen nicht folgt mit konkurrenzfähigen Angeboten, wird nicht bestehen können. Wird man die kommunalen Dienste auf Dauer subventionieren? Oder ausdünnen? Eine nicht unwichtige Rechercheaufgabe für die EJZ.

Arne von Treuenfels,

Vietze

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