Online: 26.10.2015 - ePaper: 27.10.2015

Glyphosat-Motor Landwirtschaft

Betrifft: Artikel "'Teufelszeug',aber notwendig?" (EJZ vom 13. Oktober)

Na, da waren bei der Ausschusssitzung ja mal wieder richtige "Fachleute" zugange, Zusammenhänge begreifend und das Wohl der Allgemeinheit an erste Stelle setzend.

Zum Beispiel der Kreislandwirt als "beratendes Mitglied". Zu behaupten, dass 90 Prozent der Glyphosat-Rückstände aus Kleingärten und Baugebieten stammen, lässt die Landwirte natürlich in ziemlich gutem Licht dastehen. Herr Tebel sollte doch mal seine Quellen offenlegen, aus denen das hervorgehen soll. Das ist natürlich totaler Humbug, wie leicht festzustellen ist.

Eindeutig ist die Landwirtschaft der größte Problemverursacher in Sachen Glyphosat. Indirekt durch Millionen Tonnen von importiertem (glyphosat-verseuchten) Soja-Schrot aus Lateinamerika als Futtermittel. Und direkt hier durch massenhafte Anwendung im konventionellen Landbau. Die Flächen sind ja auch deutlich größer als die der Kleingärtner. Und wieso soll aus Baugebieten ein Großteil der Glyphosat-Belastungen stammen? Gibt man in eine Internet-Suchmaschine "Glyphosat" ein, kommt man schnell auf renommierte Organisationen, die fundierte und ausführliche Informationen in Hülle und Fülle liefern. Da muss man auch nicht auf Untersuchungen des Instituts für Risikobewertung warten wie Küstens Bürgermeister Michaelis. Warum sitzt so jemand in einem Umweltausschuss, wenn er nicht mal in der Lage ist, sich selbst Informationen zu beschaffen?

Wie kann man, wie CDU-Sprecher Horst Kaufmann, vorsichtig sein mit einem generellen Verbot dieses Mittels? Seit Jahren und teils Jahrzehnten sind die katastrophalen Auswirkungen bekannt: Glyphosat schädigt das Bodenleben, fördert krankheitserregende Pilze, beeinträchtigt die Krankheitsabwehr der Pflanzen und mindert den Ertrag. Zudem dezimiert es die Populationen von Regenwürmern, Vögeln, Spinnen und Florfliegen. Und weil es in immer höheren Dosen gespritzt wird, verursacht es auch logischerweise eine starke Zunahme resistenter Unkräuter. In Lateinamerika, wo Glyphosat nahezu flächendeckend verwendet wird, hat sich von 2000 bis 2009 die Krebsrate bei Kindern verdreifacht. Die Rate der Fehlgeburten und Fehlbildungen stieg nahezu um das Vierfache an. Im Urin eines an Botulismus erkrankten deutschen Bauern wurden Glyphosat-Konzentrationen gemessen, die um das 1000-fache gegenüber den Vergleichspersonen erhöht waren.

Wie in vielen anderen Bereichen auch wird wieder einmal versucht, mithilfe verantwortungsloser Technologien den maximalen Gewinn und das größte (Geld-)Wachstum zu erlangen. Und dies ohne Rücksicht auf Verluste und offenbar auch Verstand. Ich danke Hermann Klepper und der SOLI für ihren Einsatz! Und hoffe, dass sich die Menschen bei den nächsten Kommunalwahlen an die Gegenstimmen der CDU und die Enthaltung von Herrn Michaelis (FWG Küsten) erinnern werden.

Oliver Rausch, Krummasel

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