Online: 03.11.2015 - ePaper: 04.11.2015

Zukunftskonferenz: Ich hätte gerne mehr Informationen

Betrifft: Zukunftskonferenz Neu Darchau

Am 17. Oktober sollte unter der Überschrift "Du und Neu Darchau" von 10 bis 13 Uhr ein Teil einer Zukunftskonferenz des Marketingvereins "Alma e.V." stattfinden. Ort: vor dem Edeka-Markt Hildebrandt. Als ich bei leichtem Nieselregen kurz vor 11 Uhr eintraf, räumte ein einsamer Herr gerade einen kleinen runden Tisch oberhalb des Behinderten-Aufgangs zu dem Laden weg. Herr Hildebrandt soll ihm gesagt habe: "Ab halb 12 ist hier nichts mehr los; dann können Sie abräumen."

Ich war sehr enttäuscht, hatte ich mir doch viele Gedanken gemacht und mit Freunden darüber gesprochen. Unser Gemeinderat hatte sich offensichtlich nicht angesprochen gefühlt. Der Bürgermeister soll anfangs da gewesen sein. Natürlich haben es berufstätige Menschen mit Haushalt am Sonnabendvormittag nur eilig. Der Kreistagsabgeordnete Holger Hildebrandt hatte auch keinen überdachten Platz angeboten, der zum Verweilen und Diskutieren einlud.

Dass mir Arzt, Schule und Einkaufsmöglichkeiten in meiner Gemeinde wichtig sind, hatte ich gerade in einen Fragebogen des Landkreises Lüchow-Dannenberg eingetragen. Unsere Zukunft wird aber auch das große und dringende Problem der Völkerwanderung beeinflussen. Bin ich daran mitschuldig, weil ich mich nicht konsequent genug gegen Waffenexporte und Kriege eingesetzt habe? Jetzt erscheint es mir zum gegenseitigen Schutz wichtig, Kontakte aufzubauen. Das fängt mit der Sprache an. Erste Hürde: Mein neues serbisches Wörterbuch kann ich nicht lesen. Dazu müsste ich erst die Schrift lernen. Das wird umgekehrt nicht besser sein. Haben wir hier inzwischen auch Menschen mit arabischer Sprache? Ich hätte gerne mehr Informationen. Als alter, gehbehinderter Mensch gelte ich selbst allerdings schon als Außenseiter. Aber ich weiß noch, wie es war, als ich mir trotz Berufstätigkeit im Monat nicht eine Tafel Schokolade leisten konnte und die Wohnqualität sehr spartanisch war.

Viele deutsche Mitbewohner, meistens Frauen mit oder ohne Kinder, sind sehr arm und sehen kritisch auf die Leistungen, die Flüchtlinge erhalten. Trotzdem müssen wir für eine gute Zukunft eine Gemeinsamkeit finden. Was kann der Gemeinderat Neu Darchau - neben der Samtgemeinde Elbtalaue - dafür tun? Die Informationen dürfen allerdings nicht nur über einen Aushang im Gemeindebüro erfolgen.

Für eine Dörfergemeinschaft wie Neu Darchau sehe ich die auf Gewinn orientierte Konferenz, wie sie von dem Marketingverein "Alma e.V." praktiziert wurde, als einen Flop an. Wir brauchen mehr.

↔Irmgard Oehring, ↔Katemin

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