Online: 08.12.2015 - ePaper: 09.12.2015

Zum Umkehren nie zu spät

Betrifft: Leserbrief "Knorrig und standhaft" von Klaus Poggendorf (EJZ vom 28. November)

"Knorrig und standhaft"! Für den ehemaligen OKD Klaus Poggendorf trifft dieser Ausspruch in der Tat zu. Seit 1980 singt er das Lied von den Wohltaten, die die Atomkernspaltung mit sich bringt. Gorleben ist sein Lieblingskind. Nichts kann ihn erschüttern, nichts kann ihn zweifeln lassen, weder die Folgen der Atombomben über Hiroshima und Nagasaki, noch der Gau im amerikanischen Harrisburg, noch Tschernobyl, noch Fukushima. Dass abertausende Menschen und Tiere elendiglich zu Grunde gehen, ficht ihn augenscheinlich nicht an. Alles Lüge, alles Propaganda von dem "dreckigen Pack", wie ein hochrangiger Politiker uns einmal titulierte.

Der Ex-OKD weint auch heute noch den fehlenden Millionen an Gorleben-Geldern nach, die einstmals nach dem politischen Wechsel im Kreistag abgelehnt wurden. Die heutigen Defizite im Haushalt sind nicht zuletzt auch eine Folge der größenwahnsinnigen Projekte, die durch die Gorleben-Millionen möglich waren. Das schweizerische Prognos-Institut hat Anfang der 1980er-Jahre eindringlich vor den Folgekosten gewarnt, aber was nicht sein darf, darf auch nicht sein.

Das Gutachten verschwand, wohin auch immer. Leider waren die gerügten Stellen in der "Nachbesserung" von Prognos nicht viel günstiger. Herr Poggendorf hat sich mit seinem überdimensionierten Kreishaus ein Denkmal gesetzt. Die Gemeinde Gartow hat sein defizitäres Schwimmbad. Die Gemeinde Gorleben ein tolles Gemeinschaftshaus, an dessen Portal sich - schaut man genau hin - eine Schlange emporzüngelt und die drei Sitzblöcke das Sinnbild des "Atom" darstellen. Das nenne ich "künstlerische Freiheit".

Ich lese öfter in Poggendorfs Buch "Der Streit um die nukleare Entsorgung und die Zukunft einer Region". Ich frage mich immer wieder: Hat der Autor das Buch geschrieben, um sich zu rechtfertigen? Hat er es geschrieben aus voller Überzeugung, sein Bestes für den Landkreis getan zu haben? Schließlich bekundete der Vereidigte "Schaden vom Volke abzuwehren! So wahr mir Gott helfe!"

Und da der Leserbriefschreiber auf Seite 211 seines Buches schreibt. "Als gläubiger Christ bin ich der Meinung, dass das Kreuz das Symbol für die Erlösungstat Jesus Christus, diese Tat einmalig und nicht wiederholbar ist", antworte ich darauf: Auch ich bin Christin und bekenne mich dazu.

Ich bin dankbar, dass sowohl die evangelische als auch die katholische Kirche heute ihr Kreuz im Gorlebener Wald stehen haben, als Sinnbild und Mahnung. Zum Umkehren ist es nie zu spät.

↔Marianne Fritzen,

↔Kolborn

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