Online: 08.12.2015 - ePaper: 09.12.2015

Ethik wichtiger als Religion

Betrifft: Artikel "Von außen inittiert" (EJZ vom 12. November)

Rot-Grün versuchte in einer Art Alibi-Veranstaltung, sich in Lüchow dem Thema zu nähern - mit recht mäßigem Ergebnis. Die Berichterstattung der EJZ von Karl-Friedrich Kassel gibt einen Eindruck davon. Die Stichworte des Vortragenden: Von außen in die Staaten des Nahen und Mittleren Ostens hineingetragene Konflikte um Erdöl, Gas, Lithium - fatale Rolle von Waffengeschäften - die Absicht zur Destabilisierung von Staat und Gesellschaft im gesamten Raum des Islam - Versuche der Demokratisierung islamischer Staaten und Gesellschaften.

Was er uns vorenthielt: Die Tatsache, dass sich der Islam in einem innerreligiösen Konfessionskrieg zwischen Schiiten und Sunniten befindet - dass weite Teile der islamischen Welt aufgrund dieser tiefen inneren Konflikte im Chaos versunken sind - dass keine religiöse Kapazität erkennbar ist, die bereit und fähig wäre, den Islam (den Koran) zu reformieren so, wie das im Christentum nach Luther möglich war - dass sich Millionen von Syrern, Afghanen und andere auf die Flucht in die christliche Welt begeben, weil sie Frieden und Sicherheit nur dort finden.

Welche Schlussfolgerungen ergeben sich aus den genannten Tatsachen? Wer Frieden sucht, muss seinerseits religiösen Frieden garantieren, das heißt Verzicht auf die Ausbreitung des eigenen Glaubens, Verzicht auf den Bau weiterer Moscheen. Die bereits vorhandenen 900 genügen.

Wer nach positivem Asyl-Bescheid auf Dauer in Deutschland bleiben darf, sollte sich mit der Möglichkeit des Übertritts zum Christentum vertraut machen. Was spricht dafür? Die drei großen Religionen Judentum, Christentum und Islam verehren alle den gleichen Gott, der in den verschiedenen Verbreitungsgebieten des Glaubens jeweils einen anderen Namen trägt: Jahwe - Gottvater - Allah. Die drei Glaubensrichtungen berufen sich darüber hinaus alle auf den gleichen Stammvater: Abraham. Die Theologen sprechen daher auch von abrahamitischer Ökumene.

Die Unterschiede des Glaubens sind im Wesentlichen nur in den Ritualien (in den Liturgien) sichtbar, die von den Priestern erdacht, also menschengemacht sind. Selbst die Heiligen Schriften, die sich - wie es heißt - auf göttliche Offenbarungen berufen, sind nur das Produkt menschlicher Denkprozesse.

Die Menschheit im christlichen Abend- und im muslimischen Morgenland wird die Problemstellungen des 3. Jahrtausends nur bewältigen können, wenn sie sich auf ihre gemeinsamen völlig gleichen religiösen Wurzeln besinnt und wenn sie begreift, dass Religion nicht das Wichtigste auf der Erde ist, um unser Leben zu gestalten.

Was sagt der große Weise aus dem tibetischen Hochland, der Dalai Lama? "Religion ist nicht wichtig; Ethik ist wichtiger als Religion. Was wir brauchen ist eine säkulare Ethik." Und die braucht nicht Gott, sondern das Denken und Handeln der Menschen.

↔ Horst Kühn, Jeetzel

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