Online: 10.12.2015 - ePaper: 11.12.2015

Familien nicht im Stich gelassen

Betrifft: Artikel "Kritik an Staudte-Kritik" (EJZ vom 5. Dezember)

Deutschland steht angesichts der hohen Flüchtlingszahlen vor großen Herausforderungen. Vor allem Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesinnenminister Thomas de Maiziere müssen den Ländern und Kommunen, aber auch den Bürgerinnen und Bürgern die Frage beantworten, wie die Aufgabe der Ordnung, Steuerung und Sicherheit gelöst werden soll. Vollkommen irrig ist es aber, die Zahlen durch eine Einschränkung des Familiennachzugs für Flüchtlinge aus Kriegsgebieten reduzieren zu wollen. Erstens gestaltet sich der Familienzuzug aufgrund der noch immer zu langen Verfahrens- und Bearbeitungsdauer von Anträgen schleppend. Zweitens widerspricht es meinem Verständnis von Mitmenschlichkeit und Solidarität, wenn wir Väter aufnehmen, ihre Frauen und Kinder aber, die in ihrer Heimat täglich Krieg und Terror erleben, nicht.

Was wären die Folgen? Die Menschen müssten weiter unter Kriegsgefahr leben. Oder sie würden mit Schleppern über gefährliche Routen zu uns nach Deutschland kommen. Vor allem für die Kinder ist das ein oft lebensgefährliches Unterfangen. Das Bild des auf der Flucht ertrunkenen dreijährigen syrischen Jungen Aylan Kurdi hat uns eindringlich gezeigt: Der Weg nach Europa ist kein Spaziergang, sondern lebensgefährlich. Gerade deswegen sind es meist nur die Männer, die sich mit Hilfe von Schleppern als erste alleine auf den Weg machen.

Diese Männer lassen ihre Familien nicht, wie von Herrn Pols in der EJZ behauptet, in Stich. Sie wollen ihre Familien auf sicheren und legalen Wegen (durch den Familiennachzug) nach Deutschland nachholen. In vielen persönlichen Gesprächen mit geflüchteten Ehemännern und Vätern im Wahlkreis habe ich aus erster Hand erfahren, wie schmerzvoll die Trennung, das Warten und die Sorge um die Angehörigen für diese Menschen ist. Diese Männer haben ihre Familien nicht im Stich gelassen. Ihnen dies vorzuwerfen, ist ein Schlag ins Gesicht dieser Menschen.

Im Übrigen ist Familiennachzug, anders als von Herrn Pols behauptet, klar definiert, unter anderem im Aufenthaltsgesetz. Je nach Status haben in Deutschland anerkannte Flüchtlinge und Asylberechtigte das Recht, ihre Kernfamilie, das heißt den Ehepartner und die minderjährigen Kinder, nachzuholen. Für alle anderen, zum Beispiel für die volljährigen Kinder oder (mit Ausnahme von minderjährigen Flüchtlingen) die eigenen Eltern, gilt dieses Recht nicht."

↔Hiltrud Lotze, Lüneburg

↔SPD-Bundestagsabgeordnete

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