Online: 21.12.2015 - ePaper: 22.12.2015

Auf das Licht Gottes achten

Betrifft: Das Weihnachtsfest

Alle Jahre wieder dasselbe Schauspiel: ein älterer Herr in den allerschönsten Coca-Cola-Werbefarben und natürlich mit kuscheligem Bauch, jenseits von BMI 30 und passenden Pausbäckchen und zotteligen, langen Haaren und dem passenden Bart. Begleitet wird dieser Mann, der übrigens Weihnachtsmann genannt wird, von einem zarten Fräulein in weißem, bodenlangem Kleid, oft bestickt mit kleinen goldenen Sternchen. Sie trägt ihr langes, strohblondes Haar meist offen und hat erstaunlicherweise übergroße Flügel. Wenn das Mädel Pech hat, hat es nicht einmal Strümpfe und Schuhe an. Naja, soll ja das Christkind sein, wird wohl alles gutgehen.

Dieses ungleiche Paar schlendert oft von Haus zu Haus oder bei uns auf dem Weihnachtsmarkt von Glühweinstand zu Glühweinstand und trifft dort auf große und auch kleine Kinder. Was für ein Bauch, wo der Vater im Himmel, also den aus den Schriften, die Stirn runzeln lassen würde. Warum ist das so schön märchenhaft und gehört doch zur Advents- und Weihnachtszeit? Ich frage dann, was ich auch hier tue: Wenn dies das Christkind sein soll - also dieses Weiblein, in blond und meistens auch noch blauäuig -, wer ist dann der Knabe in der Krippe? Schon mal einen blonden Juden gesehen? Wer ist also das Kind in und aus der Krippe und wer die holde Jungfrau neben dem Geschenke bringenden Knecht?

Alle Jahre wieder. Muss man sich wirklich nur auf eine bestimmte Zeit im Jahr auf das Kommen des Christkindes konzentrieren, wenn doch geschrieben steht: "Dies Christkind, dieses Licht Gottes ist auch in uns..." Muss es da noch kommen, oder doch eher wir mal auf die wirkliche Weihe achten (Achtsamkeitsübungen gibt es genug, auch in trauter Zweisamkeit)? Müssen nicht, aber es würde vieles erleichtern. Und es würde auch viel ruhiger zugehen - auf der ganzen Welt. Denn in jedem ist dieses Licht, was man auch Leben nennt. Und wie du es dann nennst, behalte es lieber für dich, sonst brechen wieder Kriege vom Baum der Erkenntnis aus, ohne vorher zu wissen, was gut und was böse überhaupt ist. Für mich ist dieses Christus-Licht die größte Liebe, die ich für mich finden konnte.

↔Dr. Susanne Rotte,

↔Wustrow

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