Online: 04.01.2016 - ePaper: 05.01.2016

Eltern-Vorschläge nie angehört

Betrifft: Kommentar "Negativ-Beispiel Südkreis" von Detlef Boick (EJZ vom 17. Dezember)

Immer wieder müssen wir Eltern aus dem Raum Bergen und Schnega uns von Ratsmitgliedern, Verwaltung und auch der Presse vorhalten lassen, wir hätten uns nicht auf einen Grundschulstandort einigen können und deshalb wären die Grundschulen Schnega und Bergen geschlossen worden. Trebel und Woltersdorf hatten fast ein Jahr mehr, und auch Plate und Küsten wurde mehr als ein halbes Jahr für einen Standortvorschlag gegeben. Diese Schulen waren frühzeitig gewarnt und konnten sich darauf einstellen. Schnega und Bergen hatten keine drei Monate, und die Verwaltung hat durch Vorverlegung der entscheidenden Samtgemeinderatssitzung den Zeitraum noch bewusst verkürzt. Und ja, in diesen paar Wochen und unter dem Druck war es nicht möglich, sich zu einigen. Jetzt ist es scheinbar ein Leichtes, mit dem Finger auf die zu zeigen, die eh nie eine Möglichkeit hatten, den Prozess zu verhindern.

Die Entscheidung für die Schließung der GS Bergen und Schnega war bereits getroffen, bevor wir Eltern überhaupt etwas davon erfahren haben. Denn als die Planung für einen Neubau in Clenze konkret wurde, war der Samtgemeinde schon klar, dass der Landesrechnungshof als Vorgabe für den Neubau die Schließung beider Schulen voraussetzte. Aber das konnte und wollte man damals ja nicht zugeben. Im vorigen Jahr diente das Argument dazu, den Antrag auf Verlängerung des Schulbetriebs beider Schulen um ein Jahr abzulehnen. Infos werden so herausgegeben, wie sie halt gebraucht werden.

Außerdem ist der Samtgemeinderat der vom Gesetz beauftragte Entscheidungsträger. Egal, welchen Standort wir genannt hätten, der Rat entscheidet und niemand anderes. Aber statt sich die Ratsfrauen und -herren ihrer Verantwortung stellen und aufgrund von Standortfaktoren eine Entscheidung treffen, wird immer wieder behauptet: "Wir hätten ja eine Schule offengehalten, wenn ihr euch auf einen Standort geeinigt hättet." Quatsch. Und wie ich finde, eine bodenlose Frechheit, sich so zu äußern und die Verantwortung an Lehrer und Eltern zurückzuspielen, die nur das Beste für die Kinder wollen.

Die bis dahin von uns Eltern erarbeiteten Vorschläge wurden zu keinem Zeitpunkt angehört oder in die Verwaltungsvorlagen mit aufgenommen. Auch wir hatten Unterschriften gesammelt und auf einer Sitzung beschlossen, dass, egal welche Schule offen bleibt, die Schüler dort hingehen. Eine weitere Grundschule im Südkreis war schlicht nicht gewollt und hätte in die Pläne der Verwaltung, einen bildungspolitischen Leuchtturm in Clenze entstehen zu lassen, nicht gepasst. Hätte der Rat die Eltern-Wünsche ernst genommen, wäre ihm jetzt die Blamage, sich nach Schweskau auch in Clenze ordentlich verplant zu haben, erspart geblieben.

Evelyn Reinecke, ehemalige ↔Schulelternratsvorsitzende,

↔Schnega

^ Seitenanfang