Online: 05.01.2016 - ePaper: 06.01.2016

Alles fein bei Allfein?

Betrifft: Artikel "Allergen- und glutenfrei" (EJZ vom 31. Dezember)

Es liest sich wie eine Werbeanzeige, was die EJZ über die Erweiterungspläne der Firma Allfein schreibt. Die Tochterfirma des Fleischriesen Wiesenhof will bald im Dannenberger Gewerbegebiet mit einer vierten Linie "allergenfreie" Fleischware produzieren. Wieder einmal sehr einseitiger Journalismus, denn die ganzen Pferdefüße werden von der EJZ gar nicht erst recherchiert.

Im Mai 2015 stellte Allfein die Pläne in einem Scoping-Termin dem Landkreis vor. Der genehmigte schnell, unbürokratisch und heimlich. Dannenberger Bevölkerung und Ratsgremien erfuhren nichts. Im Oktober begannen die Bauarbeiten, im März 2016 soll alles fertig sein. Erst am 26. November sollte der Bauausschuss des Dannenberger Rates noch schnell die für das Vorhaben nötige Änderung des Bebauungsplans abnicken. Wohl gemerkt nach Baubeginn.

Diese Änderung wird laut Verwaltung nötig, weil die bisherige Festlegung "Gewerbegebiet" (GE) umgewandelt werden muss in "Industriegebiet" (GI), denn die verarbeitete Menge Fleisch überschreite die Grenze von 75 t pro Tag. Meine Frage nach den dann zulässigen Lärmgrenzwerten wollte der Bauamtsleiter nicht beantworten. Deshalb wurde die Änderung vertagt. Fakt ist, dass in einem Industriegebiet nachts 70 dB Lärm emittiert werden dürfen, in einem Gewerbegebiet nur 50 dB. Dabei bedeutet eine Erhöhung um 10 dB eine Verdoppelung der Lärmempfindung. Mit dieser Umwandlung könnte also eine Vervierfachung des Lärms für die daneben lebende Bevölkerung einhergehen. Dabei gab es schon in der Vergangenheit erhebliche Beschwerden wegen Lärmbelästigung durch Allfein. Zurecht, denn laut Experten sterben in Deutschland pro Jahr fast so viele Menschen durch Lärm wie im Straßenverkehr.

Weiter wird mit 50 Arbeitsplätzen geworben. Bei einer Betriebsbesichtigung vor zwei Jahren klagte der Werksleiter, dass so gut wie keine Arbeitskräfte aus Lüchow-Dannenberg seien. Im Gegensatz zu hiesigen seien die Arbeitskräfte aus den neuen Bundesländern und russische Studenten (?) noch "Arbeit mit Fleisch" gewohnt. Übrigens bekamen die meisten damals im Schichtbetrieb einen Lohn von 7 Euro pro Stunde. Betriebsrat? Fehlanzeige.

Zum Thema "allergenfrei" sagte ein dem Bauausschuss angehörender Arzt, das gebe es gar nicht. Fakt ist, dass Allergien erheblich zugenommen haben, nicht zuletzt durch Änderungen in der Lebensmittelproduktion, im Ess- und Kochverhalten. Massenfastfood aus Fleischfarmen, verarbeitet in Industriebetrieben, schöne neue Welt…mit Folgen. Image? Dafür gibt es eine klitzekleine Charge veganer Produkte. Danke, alles fein.

Aber noch können wir Anwohner im Dannenberger Osten was tun: Am 27. Januar tagt der Bauausschuss ab 18.30 Uhr im alten Rathaus am Markt zu dem Thema. Kommen wir massenhaft, denn wir alle sind allergisch gegen Lärm.

↔Kurt Herzog, Dannenberg,

↔SOLI-Fraktionsvorsitzender

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