Online: 15.01.2016 - ePaper: 16.01.2016

Verhältnismäßigkeit fehlt

Betrifft: Artikel "Feuer in der Flüchtlingsunterkunft" (EJZ vom 6. Januar)

Es ist erstaunlich, welcher Einsatz an Mensch und Material aufgeboten wird, um eine mögliche Gefahrenlage in der derzeitigen Flüchtlingsunterkunft bei Woltersdorf zu begegnen. Es kann nach meiner Auffassung nicht am Wissen und Können der Einsatzkräfte der Feuerwehren liegen, dass nun bereits mehrmals mit einem Massenaufgebot von Mensch und Material zur Notunterkunft ausgerückt wird, um dann festzustellen, das weniger mehr gewesen wäre. Um nicht falsch verstanden zu werden: Die Flüchtlinge sind auf schnelle Hilfe angewiesen und ihr Schutz davon abhängig. Feuerwehrkameraden waren schon immer präsent und werden es auch weiterhin bleiben. Sie rücken aber auch immer öfter an, um mehr als den ehrenamtlichen Job zu erfüllen für den öffentlichen Träger, also den Landkreis und die Samtgemeinden einschließlich der kleinen und großen Politik, die Verantwortung zu tragen hat. Dass die Kriegsflüchtlinge vor weiteren Schäden geschützt bleiben müssen, bedarf keiner Frage.

Für unverhältnismäßig sehe ich auch diesmal die umfassende Alarmierung von Feuerwehren am Dienstagabend an, um die Gefahr zu bannen, für die - nach Lehrmeinung der Landesfeuerwehrschule in Celle - ein Trupp unter Atemschutz mit Kübelspritze im Ersteinsatz hätte ausreichen können. Es herrschte an diesem Dienstagabend extreme Schneeglätte, der Schneefall war zudem sehr feucht. Dann auf der Anfahrt mit Martinshorn und zuckendem Blaulicht, zudem unter extremer Anspannung und dem Willen zu helfen, Eisglätte zu erkennen, das ist fast unmöglich.

In der Woltersdorfer Unterkunft ist ein Sicherheitsdienst eingesetzt. Diese Kräfte müssen doch in der Lage sein, einen Entstehungsbrand von einem Vollfeuer zu unterscheiden und entsprechend verantwortlich zu reagieren. Die Unterkunft liegt so weit von Woltersdorf und Lüchow entfernt, dass eine medizinische Notfallversorgung und in den Brandschutz eingewiesene Kräfte rund um die Uhr präsent sein müssten. Was aber perfekt zu funktionieren schien, das war, den dorthin geeilten Pressevertreter unmissverständlich und grob vom Gelände zu verweisen. Wer hilft nach einem solchen Großalarm, wenn zur gleichen Zeit ein lebensbedrohliches Unglück auf der Straße passiert, das nur mit Hilfe von speziellem Feuerwehrgerät zu bewältigen wäre? Zumindest für Dienstagabend eine erlaubte Frage.

Die Träger der Gefahrenabwehr und des Brandschutzes sind gefragt. Mir scheint allerdings, dass diese Kommunalpolitiker den Druck der großen Parteienpolitik auf dem Rücken der Allgemeinheit aussitzen, um parteikonform die Weichen in Richtung Wiederwahl zu stellen. Die Flüchtlinge benötigen aber noch länger unsere Hilfe, und die Feuerwehrkameraden werden ihre selbst angenommene Pflicht weiter erfüllen, bis sie den Druck seitens der Arbeitgeber spüren. Sonst kann es wirklich gefährlich und teuer für alle werden.

↔Harald Schulz, Lüchow

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